Land & Leute

Farbenprächtige Schwefelterrassen, brodelnde Vulkane, die trockene Wüste Danakil, manchmal trockene und manchmal reich anschwellende Flüsse und satte ein satte Blütenpracht über dem Hochland – Äthiopiens Natur zeigt sich von vielen Seiten. Vielfältig ist auch die Kultur- in Äthiopien hat Religion einen hohen Stellenwert, verschiedene Ethnien, die unterschiedlichen Religionen angehören, leben meist friedlich zusammen. Egal, ob man an Flora und Fauna interessiert ist oder eher kulturelle Interessen hegt, in Äthiopien kommt jeder Reisende auf seine Kosten und lernt die „Wiege der Menschheit“ mit ihren vielen beeindruckenden Facetten kennen.

Unter den folgenden Punkten finden Sie wichtige Informationen, die Ihnen helfen Äthiopien und seine Bewohner besser zu verstehen.

Äthiopier beim Studieren von Schriften Geschichte

Vorgeschichte und das Land der Antike
Das 1974 gefundene Skelett von Lucy belegt, dass die Geschichte der Menschheit in Äthiopien beginnt. Die mehr als zweitausendjährige Geschichte Äthiopiens reicht bis in die Antike zurück. So bildeten in der Antike und im Mittelalter das Reich von Axum sowie das Kaiserreich Abessinien mächtige Dynastien. Äthiopien war der einzige afrikanische Staat, der nie einer europäischen Kolonialmacht angehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg modernisierte der legendäre Kaiser Haile Selassie das zuvor vom faschistischen Italien besetzte Land und führte Äthiopien in die Unabhängigkeit. Der sozialistische Militärputsch von 1974 läutete eine der repressivsten Diktaturen Afrikas ein, die 1991 durch einen Bürgerkrieg niedergeschlagen wurde. Politische und wirtschaftliche Reformen führten Äthiopien in eine Republik mit 14 Regionen.

Vor ca. 3,5 Millionen Jahren war das Land bereits besiedelt. In Äthiopien wurden Überreste von diesen Vor-Menschen (Australopithecus afarensis) in der Afar-Senke gefunden, die die Weiterentwicklung des Affen zum Menschen dokumentieren.

Äthiopien gehört zu den ältesten Staaten der Welt und ist das einzigste durchgehend unabhängige Land Afrikas, das gegenwärtig noch besteht. Der heutige Landesname stammt von einer antiken griechischen Regionen- bezeichnung, die einst neben Abessinien die historischen Regionen Nubien, Sudan sowie Teile Libyens umfasste: „Αιθιοπία“, von αίθαλο/aíthalo, „das sonnengebräunte“ und οψ/ops, „das Gesicht“. In die Zeit der Antike gehört auch die Legende der Königin von Saba. Nach äthiopischer Überlieferung war es Menelik I, der Sohn der Königin von Saba und von König Salomon, der das äthiopische Reich gründete. Tatsächlich gründete der Stamm der Ḥbšt, die im 1. Jahrtausend v. Chr. aus Südarabien auswanderten, das äthiopische Reich. Dessen Hauptstadt, Axum, gewann bald die Vorherrschaft über Südarabien.

Vom Reich von Axum bis zum Kaiserreich von Abessinien
Axum und das axumitische Reich wurden erstmals von Claudius Ptolemäus im 2. Jahrhundert n. Chr. erwähnt. Damals kontrollierte Axum mit seinem Hafen Adulis den Zugang zum Roten Meer, was die Expansion nach Südarabien ermöglichte und florierende Handelsbeziehungen zu Indien, Arabien und den Mittelmeer- ländern hervorbrachte. Im 3. Jahrhundert ließen die axumitischen Herrscher Münzen nach römischem Vorbild prägen. Unter König Enzana, der im 4. Jahrhundert zum Christentum übertrat, wurde der christliche Glauben zur Staatsreligion Äthiopiens. Damit stieg Axum zum religiösen Zentrum des Landes auf. Im 7. Jahrhundert gewann zunehmend der Islam in dieser Region an Bedeutung, wodurch die äthiopischen Christen weitestgehend isoliert wurden. Auch die alten Handelswege wurden blockiert, was schließlich zum Niedergang des Reiches von Axum im 9. Jahrhundert führte. Durch die Isolation von der Außenwelt konnten trotzdem große Teile der axumitischen Kultur bewahrt werden.

Im 10. Jahrhundert wurde das axumitische Reich durch die Dynastie der ebenfalls christlichen Salomoniden, welche sich als direkte Nachkommen von König Salomon und der Königin von Saba ansahen, abgelöst. Es entstand das Kaiserreich von Amhara und Amharisch wurde zur offiziellen Landessprache erklärt. Durch Kontakte zum europäischen Kontinent entstand unter Kaiser David I. ein reger Gedankenaustausch mit den italienischen Handelsstädten. 1493 traten die Portugiesen mit Äthiopien in Kontakt, um sowohl die Herrschaft im Indischen Ozean abzusichern als auch den katholischen Glauben zu verbreiten. Diese Bekehrungsversuche scheiterten jedoch kläglich. Dennoch konnte sich Äthiopien im 16. Jahrhundert mit portugiesischer Unterstützung gegen die über das Rote Meer kommenden Osmanen und damit das erneuten Vordringen des Islam behaupten. In der Folgezeit zerfiel das äthiopische Kaiserreich allmählich in kleinere Fürstentümer. So bildeten sich die Teilkönigreiche Amhara, Tigray und Shewa heraus. Daraufhin sah sich Äthiopien ersten Konfrontationen mit europäischen Nationen im Zuge des Kolonialismus gegenüber.Italienische

Kolonialisierungsversuche 1887 bis 1941
Ende des 19. Jahrhunderts wurde Äthiopien ausgehend von Eritrea begehrtes Ziel der italienischen Kolonialmacht. Nach einigen gescheiterten Eroberungs- versuchen konnten die italienischen Kolonialbestrebungen in der Schlacht von Adwa am 1. März 1896 trotz der klaren italienischen Überlegenheit entgültig abgewendet werden. Im Vertrag von Addis Abeba gab Italien seine Kolonialisierungsziele auf und musste die Unabhängigkeit des äthiopischen Kaiserreiches akzeptieren. Allerdings wurde die Provinz Eritrea italienische Kolonie und die gesamten Küstenbereiche des äthiopischen Reiches gingen bis zum 20. Jahrhundert an Großbritannien, Frankreich und Italien verloren. Dennoch konnte Menelik II. einen freien Zugang für Äthiopien zum Hafen von Dschibuti aushandeln, nachdem das Gebiet der Republik Dschibuti zur französischen Kolonie erklärt worden war. 1930 kam Haile Selassie als 225. Kaiser Äthiopiens an die Macht. Er setzte die Abschaffung der Sklaverei durch und reformierte sein Land, insbesondere das Recht- und Bildungswesen. 1936 besetzten italienische Truppen erneut das Land, das während des Zweiten Weltkrieges durch die Briten von den italienischen Besatzern befreit wurde. In der Zeit von 1952 bis 1974 wurde Äthiopien durch Dürreperioden, innenpolitische Krisen sowie Grenzkonflikte mit den Nachbarländern, vor allem mit dem Bundesstaat Eritrea, bzw. separatistischen Bewegungen in weiteren Regionen (Tigre), erschüttert. Addis Abeba wurde 1963 Sitz der OAU (Organization for African Unity), deren Ziel die Entkolonialisierung Afrikas ist.

Sozialistische Militärdiktatur 1974-1991
1974 eskalierten die innenpolitischen Unruhen letztendlich in einem Militärputsch. Als Folge wurde der Kaiser Haile Selassie gestürzt. 1975 wird die Monarchie abgeschafft, die Kirche enteignet, oppositionelle Kräfte verfolgt und inhaftiert. Das ehemalige Kaiserreich wird zur sozialistischen Volksrepublik. Unter dem neuen Vorsitzenden des Provisorischen Militärverwaltungsrates Mengistu Haile Mariam kam es 1977 zum offenen Krieg mit Somalia um die Provinz Ogaden. Mit Hilfe der Sowjetunion ging Äthiopien im darauffolgenden Jahr als Sieger hervor. Ende der 70er Jahre stieg der Druck der Widerstandsgruppen in Eritrea und der Provinz Tigre. Hinzu kam 1983 eine der schlimmsten Hunger- katastrophen in Äthiopien, bei der bis zu eine Millionen Menschen als Folge von Bürgerkrieg und dürrebedingten Missernten verhungerten. 1987 wurde die Derg-Herrschaft in Äthiopien formal beendet und die neue Verfassung der Demokratischen Volksrepublik Äthiopien eingeführt. Mengistu Haile Mariam wurde in den Wahlen 1987 vom Parlament zum Präsidenten gewählt.

Demokratisierung ab 1991
1991 marschierten Truppen der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF) und der Volksbefreiungsfront Tigre (TPLF) in Addis Abeba ein und brachten das kommunistische Mengistu-Regime zu Fall. Nach rund 30 Jahren endete der erbitterte Bürgerkrieg und 1993 erlangt Eritrea seine Unabhängigkeit. Unter Meles Zenawi wird eine Übergangsregierung errichtet, die mit internationaler Hilfe versucht, das verwüstete Land wieder aufzubauen. Mit der neuen Verfassung von 1994 wurde das gesamte Staatssystem neu geordnet, demokratisiert und den Provinzen weitgehende Autonomien zuerkannt. 1998 führten Grenz- streitigkeiten und ökonomische Spannungen erneut zum Krieg um den genauen Grenzverlauf zwischen Äthiopien und Eritrea. Bis Juli 2008 sorgten Soldaten der „United Nations Mission in Ethiopia and Eritrea“ (UNMEE) für einen unsicheren und fragilen Frieden, wobei eine unabhängige Grenzkommission die Unstimmigkeiten beiliegen sollte. Äthiopien weigerte sich, die umstrittene Region um Badme als Eritrea zugesprochenes Gebiet anzuerkennen. Trotz der langfristig demokratischen Öffnung bleibt Äthiopien bislang ein politisch instabiler Staat.

Surma posieren mit traditioneller Tonbemalung auf der HautGesellschaft

Äthiopien als Vielvölkerstaat kann eine Vielzahl unterschiedlicher Ethnien vorweisen. Die genaue Anzahl ist nicht bekannt, wird aber auf über 80 verschiedene Völkergruppen geschätzt. Diesen ethnischen Gruppen gehören jeweils nur einige tausend Menschen (Mursi) oder über 20 Millionen Menschen (Oromo) an. Die Oromo bilden die größte Ethnie des Landes, die 35 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Daneben dominieren Amharen mit rund 30 Prozent der Bevölkerung das politische und kulturelle Leben. Tigray sind mit 7 Prozent vertreten. Weiterhin sind die Somali sowie Sidama mit jeweils 6 Prozent bedeutende äthiopische Völkergruppen.

Die ethnischen Gruppen unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Wirtschaftsform in Nomaden, Pastoralisten, Wanderfeldbauern und sesshafte Bauern. Die Gesellschaft befindet sich erst am Anfang eines Diversifizierungsprozesses, wodurch die wirtschaftlich aktive Bevölkerung auf dem Land die der Stadt noch immer übersteigt. Dennoch ist die Landbevölkerung keineswegs in eine moderne Ökonomie eingebunden. Einfluss auf Gesellschaft und Kultur hatten auch die Aspekte der langen Isolation des Landes sowie der Fakt, dass Äthiopien nie eine Kolonie war. Seit dem Ende der Militärdiktatur Mitte der 90er Jahre haben sich fremde Einflüsse auf das äthiopische Alltagsleben erheblich ausgeweitet und intensiviert.

Äthiopien weist eine Bevölkerung von ca. 85 Millionen Menschen auf (Stand 2009). Etwa 84 Prozent der Menschen leben dabei auf dem Land. Soziale Strukturen gleichen auch in den großen Städten der ländlichen Lebensform, bei der die Familie im Zentrum steht. Langsam entwickelt sich das städtische Leben. Das städtische Bevölkerungswachstum liegt bei 4 bis 5 Prozent, wohingegen das ländliche Wachstum der Bevölkerung 1 bis 2 Prozent beträgt.

Sprache
Die Amtssprache Äthiopiens auf Bundesebene ist Amharisch, das als Muttersprache von etwa 19,8 Millionen Menschen und vor allem in der Bundesverwaltung gesprochen wird. Die Bundesländer legen ihre Amtssprache jeweils eigenständig fest. Die einzelnen ethnischen Gruppen Äthiopiens sprechen ihre eigenen Sprachen wie beispielsweise Oromo, Tigrinya, Somali, Afar oder Harari. Dabei gibt es schätzungsweise bis zu 80 Sprachen mit 200 Dialekten. Nur wenige entwickelten eine entsprechende Schriftsprache. Die größte ethnische Gruppe der Oromo sprechen die gleichnamige kuschitische Sprache. Als Bildungssprache wird an Oberschulen Englisch als Unterrichtssprache gesprochen. Die Sprachen Äthiopiens gehören entweder der Afroasiatischen oder der Nilo-Saharanischen Sprachfamilie an. Fast 99 Prozent entfallen dabei allein auf das Afroasiatische, das sich in Äthiopien auf die Zweige Semitisch (überwiegend in der nördlichen äthiopischen Hälfte), Omotisch (im Südwesten) und Kuschitisch (im Süden, Westen und Osten) aufspaltet. Die Nilo-Saharanischen Sprachen, die nur von 500.000 bis 1 Millionen Menschen gesprochen werden, sind im Westen Äthiopiens vertreten und teilen sich in die Sprachzweige Nilotisch, Surmisch und Komuz.

Blütenpracht über dem Hochland von ÄthiopienWirtschaft & Politik

Innenpolitik
Äthiopien ist ein föderaler und demokratischer Staat. Grundlage dafür ist die Verfassung von 1994. Die föderale Republik löste die traditionelle Zentralisierung ab und drängte die dominante amharische Volksgruppe zurück. Auf allen administrativen Ebenen finden regelmäßig Wahlen statt, an denen Oppositionsparteien beteiligt sind. Der Präsident als Staatsoberhaupt mit seinen vorwiegend repräsentativen Aufgaben wird vom Parlament (Shengo) gewählt und muss parteilos sein. Der Premierminister besitzt die politische Macht als Chef der Regierung: Er leitet die Exekutive, steht dem Ministerrat vor und hat den Befehl über die Streitkräfte. Das Parlament besteht mit dem Bundeshaus und Volksrepräsentantenhaus aus zwei Kammern und besitzt 746 Sitze, deren Mitglieder direkt vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt werden. Die oberste Judikative ist der Oberste Gerichtshof in der Hauptstadt Addis Abeba. Für die Unabhängigkeit der Justiz sorgt die verfassungsmäßige Verankerung.

Der regierenden Parteienkoalition „Ethiopian People’s Democratic and Revolutionary Front“ (EPRDF), welche die dominierende politische Kraft im Land darstellt, stehen acht Oppositionsparteien gegenüber, die sich ebenfalls zu einer Koalition zusammengeschlossen haben (Forum für Demokratischen Dialog – „Medrek“). Damit ist die Opposition ideologisch und ethnisch breit gefächert. Die EPRDF besteht aus vier Parteien und hat in beiden Parlamentshäusern die absolute Mehrheit. In der EPRDF hat die „Tigray People’s Liberation Front“ (TPLF) Führungsanspruch, die den Befreiungskrieg gegen das Derg-Regime anführte. Neben der politischen Opposition existieren in Äthiopien militante Organisationen wie z. B. die „Oromo Liberation Front“ (OLF) oder die „Ogaden National Liberation Front“ (ONLF), die von der Regierung als terroristische Bewegungen eingestuft werden. Zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppen des Landes kommt es immer wieder zu bewaffneten Streitigkeiten um Landnutzungsrechte und auf Grund von Rechtskonflikten.

Internationale Beziehungen
In der Außenpolitik Äthiopiens haben Beziehungen zu den Nachbarländern am Horn von Afrika sowie zu den internationalen Geberländern wie der USA und den EU-Mitgliedsstaaten Priorität. Von Bedeutung gewinnen zudem China und Indien. Gute Beziehungen werden auch zu den arabischen Staaten sowie der Türkei, Russland und Japan angestrebt.

Auf dem afrikanischen Kontinent spielt Äthiopien eine aktive Rolle in der ostafrikanischen Regionalorganisation IGAD (Inter-Governmental Authority on Development), in der Afrikanischen Union (AU) durch den Vorsitz seit 2008 oder in der NEPAD (New Partnership for African Development). Internationale Mitgliedschaft besteht außerdem in den Vereinten Nationen. Deren Sonderorganisation ECA (UN-Wirtschaftskommission für Afrika) hat ihren Sitz in Addis Abeba. Äthiopien hat zudem Beobachterstatus in der WTO. Die Beziehungen zwischen Äthiopien und Deutschland sind traditionell gut und bestehen seit über 100 Jahren. Wirtschaftlich waren in vergangenen Jahren beinahe kontinuierliche Zuwächse im Außenhandelsvolumen zu verzeichnen.

Wirtschaftssektoren
In Äthiopien stellt die Landwirtschaft den wichtigsten Wirtschaftszweig dar. Der Agrarsektor trägt zu 43,2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei und macht vier Fünftel des Exports aus. Da in Äthiopien einige Millionen Menschen von Hunger bedroht sind, ist die landwirtschaftliche Produktion verantwortlich für die Sicherheit der Lebensmittelversorgung. Vier Fünftel der äthiopischen Bevölkerung sind außerdem in diesem Wirtschaftssektor beschäftigt. Der Industriesektor steuert rund 10 Prozent zum BIP bei. Der Dienstleistungssektor gewinnt an Bedeutung und hat einen ähnlichen Anteil an der Wertschöpfung wie die Landwirtschaft. Äthiopien gehört durch ein geringes Pro-Kopf-Einkommen zu einem der am wenigsten entwickelten Länder der Welt („Least Developed Country“).

Außenwirtschaftlich weist Äthiopien Leistungsbilanzdefizite, ein starkes Handelsbilanzdefizit und starke Abhängigkeiten von Nahrungsmittelimporten auf. Das traditionell wichtigste Exportgut des Landes ist zweifellos der äthiopische Kaffee, wobei Deutschland den größten Kaffeeimporteur ausmacht. Daneben exportiert Äthiopien Ölsaaten, Hülsenfrüchte, Blumen, die Genussdroge Khat, Leder und Lederprodukte sowie Gold. Wichtige Importgüter sind Kapital- und Investitionsgüter, Konsumgüter sowie Treibstoffe.

Wirtschaftsentwicklung
Äthiopien zählt mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von rund 280 US-Dollar zu einem der ärmsten Länder der Welt. Das Wirtschaftswachstum der letzten sechs Jahre lag dennoch über dem regionalen Durchschnitt und weist beeindruckende Raten auf. Das reale Wachstum des BIP lag bei durchschnittlich 11 Prozent. 2008/2009 betrug die Wirtschaftswachstumsrate immerhin noch 7,7 Prozent, womit das äthiopische Wirtschaftswachstum das höchste Wachstum aller nicht ölexportierenden Staaten in Subsahara-Afrika aufzeigt. Die jährliche Inflationsrate konnte nach Angaben des äthiopischen Statistischen Amts von maximalen 64,2 Prozent im Juli 2008 auf 3,9 Prozent im März 2010 gesenkt werden. Äthiopien strebt in Zukunft an, durch die Inbetriebnahme weiterer Wasserkraftwerke zum Stromexporteur aufzusteigen.

Investitionen
Regelmäßige Überarbeitungen des Investment Codes durch die Regierung sollen Äthiopien als ein attraktives Land für Investitionen darstellen. Die äthiopische Investitionsbehörde (Ethiopian Investment Agency) sorgt mit einem „One Stop“-Verfahren dafür, dass ausländische Investoren innerhalb von zwei Tagen alle rechtlichen Schritte zur Unternehmensetablierung durchlaufen haben.

Äthiopischer PriesterReligion & Feiertage

Äthiopier sind überwiegend tief gläubig. Fast 90 Prozent gehören verschiedenen Glaubensgemeinschaften an. Die Religionszugehörigkeit ist so unterschiedlich wie die ethnische Zusammensetzung. Die beiden großen Glaubensgemeinschaften bilden äthiopisch-orthodoxe Christen (43 %) sowie sunnitische (34 %) Muslime. Daneben gibt es verschiedene äthiopisch-evangelische Christen, Katholiken, Anhänger von Naturreligionen sowie Juden.

Das äthiopisch-orthodoxe Christentum ist vor allem unter Amharen und Tigray verbreitet und stellt die historisch einflussreichste Religion dar. Äthiopien zählt damit zu einem der ältesten christlich geprägten Staaten der Erde. Der Islam hat in Äthiopien ebenfalls eine mehr als tausend Jahre alte Geschichte, womit seine kulturelle und historische Bedeutung mit der des Christentums vergleichbar ist. Vor allem in Harar, Wällo, und Jima bildeten sich Zentren islamischer Gelehrsamkeit heraus.

Eine Sonderrolle nehmen die Falascha – die äthiopischen Juden, Beta Isra’el (Haus Israel) ein, die sich im Mittelalter aus politisch-religiös verfolgten Agaw-Gruppen entwickelten.

Kaiser Haile Selassie I. hatte Einfluss auf die Herausbildung der afro-amerikanischen Glaubensgemeinschaft der Rastafari in Äthiopien. Eine kleine Gruppe von Anhängern findet sich in Shasheme südlich von Addis Abeba, seitdem sich dort afrikanische Heimkehrer aus den USA und Jamaika niederließen.

Feste & Feiertage

07. Januar – Genna (Weihnachten)
Das Weihnachtsfest beginnt anders als in anderen christlichen Ländern in Äthiopien am 6. Januar mit einem Gottesdienst, bei dem sich tausende Menschen in und vor den Kirchen versammeln. Viele Besucher tragen beim Betreten der Kirche eine Kerze mit sich. Nach alten Traditionen stehen Frauen und Männer in getrennten Bereichen der Kirche. Zum Zeremoniell gehört das Singen alter Weihnachtslieder durch die gesamte Gemeinde. Vielerorts werden Krippen aufgebaut und die Geburt Jesus nachgestellt. In größeren Kirchen werden Tabots (Nachbildungen der 10 Gebote) durch den Priester, gefolgt von Weihnachtsgängern mit brennenden Kerzen in den Händen, um die Kirche getragen. Die Weihnachtsprozessionen dauern bis zum frühen Morgen an. Besonders prachtvoll wird das Weihnachtsfest in Lalibela zelebriert, da die Geburt Jesu Christi und des Königs Lalibela auf denselben Tag fallen.

18./19. Januar – Timkat (Drei Königsfest)
Das Timkat-Fest zählt zu den hohen orthodoxen Feiertagen Äthiopiens und wird als einer der eindrucksvollsten Festtage des Landes beschrieben. Das Epiphanias-Fest erinnert an die Taufe Jesu im Jordan. Am Vortag werden die heiligen geweihten Tabot-Tafeln, die Abbilder der 10 Gebote, gut verhüllt vor den Augen der Gläubigen von den Kirchen in feierlichen Prozessionen zu auserwählten heiligen Taufplätzen gebracht. Die Prozessionen werden von tausenden Gläubigen unter Gesängen und Gebeten begleitet. Kirchliche Insignien, große silberne Kreuze, prachtvolle Festkleidung sowie kostbare Sonnenschirme aus Samt und Brokat blitzen aus dem Prozessionszug hervor. Spezielle Gottesdienste werden dann an den Taufstellen abgehalten, wo sich die Gläubigen zu den Zeremonien versammeln. In Axum werden die heiligen Tabot-Tafeln zum Bad der Königin von Saba gebracht. In Gondar, Axum und Lalibela weiht der Bischof das „heilige Wasser“, in Addis Abeba übernimmt der Patriarch dieses Amt.

11. September – Enkutatash (Neujahr)
Enkutatash ist der erste Tag des neuen Jahres in Äthiopien. Nach dem äthiopischen Kalender fällt es auf den 11. September. Enkutatash bedeutet Juwelengeschenk und geht auf die Zeit der Königin von Saba zurück. Das Datum kennzeichnet das Ende der Regenzeit und die historische Rückkehr der Königin von Saba vom Besuch des Königs Salomon. Während des Neujahrsfests gibt es ausgiebige Feierlichkeiten. Doch es ist nicht ausschließlich ein religiöses Fest, sondern auch ein Tag, an dem Neujahrsgrüße und Karten ausgetauscht werden.

27. September – Meskal (Kreuzerhöhungsfest)
Das Fest der Kreuzerhöhung erinnert an das Auffinden des Kreuzes Christi am 13. September 326 und dessen feierliche Präsentation in der Grabeskirche am darauffolgenden Tag. Das Kreuz-erhöhungsfest ist für die Orthodoxe Kirche eines der Hochfeste und auch die Katholische Kirche betrachtet diesen Tag als Gedenktag ihres Kalenders. Nach dem julianischen Kalender wird es regelmäßig am 14. September gefeiert, nach dem gregorianischen Kalender fällt das Fest hingegen auf den 27. September. Der Name “Erhöhung” bedingt der Brauch der Orthodoxen Kirche, das Kreuz zu erheben und in alle Himmelsrichtungen zu zeigen.

29./30. November – Hidar Zion (Marienfest)
In Axum als heilige Stadt der äthiopischen Christen befindet sich der Legende nach die heilige Bundeslade, die als Symbol Mariens gilt. Hidar Zion als höchstes aller Marienfeste wird von Tausenden einheimischen Pilgern gefeiert. Am Vorabend werden bereits die Prozessionswege geschmückt und Liturgien in Form von Riten, Gebeten und sakralen Tänzen abgehalten. Am eigentlichen Morgen des Festes begibt sich der Prozessionszug, angeführt von Priestern in bunten liturgischen Gewändern, von der Marienkathedrale durch die geschmückten Straßen bis zum offiziellen Versammlungsplatz unter einem Ficusbaum.

Bewegliche Feiertage

Ostern (April/ Mai)

Eine Woche vor Ostern – Hosanna (Palmsonntag)
Der Palmsonntag im Christentum ist der Sonntag vor Ostern. Er erinnert an den triumphalen Eintritt von Jesus in Jerusalem und wird geprägt durch den Brauch der Segnung der Palmen. Als sich Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung befand, streuten die Menschen als Zeichen der Ehrfurcht Zweige von Palmen auf seinen Weg. Das Geschrei der Menschen während dieses Tages führte zu dem Beinamen Hosanna Hosanna (Ozanna). In Axum wird Hosanna in besonders farbenprächtigen liturgischen Gewändern gefeiert. Es gibt Fahnenprozessionen zum Festplatz, wo Zweige von Palmen niedergelegt werden.

Kalender
Der Äthiopische Kalender stellt eine Variante des Koptischen Kalenders dar. Der Äthiopische Kalender ist dem Koptischen in der Jahreszählung um 276 Jahre voraus. Die Zeitrechnung läuft unserem Gregorianischen Kalender um 7 Jahre und 8 Monate hinterher. Während also der Rest der Welt das Millennium im Jahre 2000 überschritt, befand sich Äthiopien immer noch in den 90er Jahren. Das Kalenderjahr beginnt in Äthiopien am 11. bzw. in einem Schaltjahr am 12. September. So begann das äthiopische Jahr 2000 am 12. September 2007.

Die Grundlage der äthiopischen Zeitrechnung ist ebenfalls Christi Geburt. Die Berechnung des Geburtsjahres wird in der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche allerdings etwas anders vorgenommen. In Äthiopien gilt der Julianische Kalender, der 12 Monate mit je 30 Tagen und einen Schaltmonat (Pagumen) am Jahresende mit 5 bzw. 6 Tagen hat. Dies ist abhängig davon, ob es sich um ein Schaltjahr handelt oder nicht. Damit ist Äthiopien das Land der 13 Monate, wodurch Äthiopien das Attribut „13 month of sunshine“ anhaftet. Durch internationale Verbindungen herrscht in Äthiopien ein Nebeneinander beider Kalender, wodurch in ganz Äthiopien Kalender mit beiden gültigen Daten erhältlich sind. Unterschiede gibt es weiterhin in der Rechnung der Tageszeiten, wobei der äthiopische Tag um 6 Uhr mit der Stunde Null beginnt.

Farbenprächtige Schwefelterassen von DallolNaturraum

In Äthiopien befindet sich das größte zusammenhängende Hochplateau Afrikas, welches sich auf Höhen zwischen 1200 bis hin zu 3500 Metern erstreckt. Der Großteil des Hochlandes von Abessinien hat Mittelgebirgscharakter und fällt an einigen Stellen hunderte Meter steil ab. So fließen die großen Flüsse Nil, Omo und Takaze in tief hinabragenden Tälern und Schluchten durch das Plateau. Etwa die Hälfte der Landesfläche liegt oberhalb von 1200 Höhenmetern, was Äthiopien zu einem der höchstgelegenen Staaten Afrikas macht. Eine der höchsten Hauptstädte der Welt ist Addis Abeba im zentralen Landesinneren auf einer Höhe von über 2300 Metern. Nördlich der Hauptstadt liegt der größte See Äthiopiens, der Tana-See. Der Große Afrikanische Grabenbruch zieht sich von Süd-West nach Nord-Ost durch das Land. Im Rift-Valley, dessen Platten auseinander driften, befindet sich die Quelle des Blauen Nils. Der höchste Berg des Landes ist mit 4533 Metern über dem Meeresspiegel der Ras Dashen. Westlich der Grenze zu Eritrea liegt die Koba-Senke, die tiefste Stelle des Landes mit 116 Metern unter dem Meeresspiegel. Die Natur Äthiopiens offenbart einige der höchsten Erhebungen des afrikanischen Kontinents wie die zerklüfteten Simien Mountains, die zum UNESCO Weltnaturerbe zählen. Im Gegensatz dazu präsentiert sich in der Danakil-Senke eine Mondlandschaft mit beeindruckenden Schwefel-Fumarolen, 120 Meter unter dem Meeresspiegel.

Flora
Abwechslungsreiche Topographie, unterschiedliche geologische Schichten und verschiedene Klimaverhältnisse sorgen für eine vielseitige Pflanzenwelt. Von der Savanne über immergrüne Feuchtwälder und Regenwälder bis hin zu alpinen Bergregionen haben sich hier viele Vegetationsräume etabliert. Während in den Niederungen Dornstrauchvegetation dominiert, finden sich im Hochland 7000 höhere Pflanzenarten, von denen etwa 12 Prozent endemisch sind. Äthiopien zählt damit zu einem der acht Genzentren der Erde. Äthiopien ist nicht nur Ursprungsland zahlreicher Kulturpflanzen wie Kaffee oder der Getreideart Teff, sondern verfügt auch über reichhaltige Bestände an Akazien, Wachholder, Affenbrotbäumen und Maulbeerfeigenbäumen. Intensive Rodungsaktivitäten führten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer Dezimierung dieser Bestände. Die Aufforstung mit schnell wachsenden Eukalyptusbäumen führte dazu, dass diese Bäume in der heutigen äthiopischen Pflanzenwelt überwiegen.

Fauna
Auch die Tierwelt Äthiopiens bietet großen Artenreichtum, der sich durch verschiedene Spinnen- und Insektenarten, Reptilien sowie Vogelarten wie Reiher, Raubvögel, Marabus, Pelikane und Flamingos auszeichnet. In den äthiopischen Nationalparks mit ihren Savannen leben Elefanten, Giraffen, Leoparden, Büffel, Zebras, Hyänen sowie Flusspferde. In den Bergregionen findet man Affen, Luchse, Gazellen, Wölfe und den Abessinischen Steinbock. Unter den zahlreichen Tierarten sind 30 Säugetierarten, 23 Vogelarten, 3 Reptilienarten und 17 amphibische Arten in Äthiopien endemisch. Einige Arten sind stark vom Aussterben bedroht. So existiert im äthiopischen Hochland eine seltene Primatenart, die ausschließlich an diesem Ort der Erde vorkommt. Der Dschelada oder Blutbrustpavian ist zwar eng mit den Pavianen verwandt, gehört aber im engeren Sinne zur Familie der Meerkatzen. Auffälliges Kennzeichen der Geladas ist ein roter, haarloser Fleck auf der Brust, der ihnen ihren Namen gab. Das Hochland von Äthiopien bietet diesen reinen veganen Bodenbewohnern in den gebirgigen Grasflächen in 2200 bis über 4400 Metern Höhe einen einzigartigen Lebensraum. Im UNESCO Weltnaturerbe des Simien-Nationalparks stehen die Dscheladas unter vollkommenem Schutz.

Herrliche Vegetation SemiensKlima

Die unterschiedlichen Höhenlagen sind in Äthiopien für drei Klimazonen verantwortlich. Im Allgemeinen ist das äthiopische Klima gemäßigt. Bis zu einer Höhe von 1000 Metern herrscht feuchtes oder trockenheißes Klima (tropisch-heiße Zone – „Qolla“). In einer Höhe von 1000 bis 2500 Metern ist das Klima gemäßigt mit angenehmen Durchschnittstemperaturen von 20-25°C (warm-gemäßigte Zone – „Woyna Dega“). Aber über 2500 Meter ist es sehr kühl (kühle Zone – „Dega“).

Die Niederschläge variieren stark zwischen jährlich 500 mm in den Niederungen und 2000 mm in den Bergregionen. Sie sind von der Höhe und den vorherrschenden Winden abhängig. In den Wintermonaten steht Äthiopien unter dem Einfluss des Nordost-Passats, welcher der Region am Roten Meer etwas Regen bringt. In den Sommermonaten strömt der Passat nach Nordafrika und beschert dem nördlichen Hochland reiche Niederschläge. Temperaturunterschiede zwischen Trocken- und Regenzeit sind gering. Die Danakil-Wüste gilt als eine der heißesten Orte der Welt. Dementsprechend muss mit Tagestemperaturen von über 50 Grad Celsius im Schatten gerechnet werden. Dort treten jährlich wochenlange Dürreperioden auf.

Regenzeit
Da Äthiopien zwischen dem 5. und 15. Breitengrad liegt und somit zur subtropischen Region gehört, unterliegt Äthiopien, wie für dieses Gebiet typisch, zwei Regenzeiten. Die längere Hauptregenzeit fällt im kontinental geprägten Bereich in die Monate Juni bis September. Im Anschluss folgt eine längere Trockenperiode. Die „kleine Regenzeit“ ereignet sich zwischen Februar und März, worauf erneut eine Trockenzeit bis Juni folgt.

Beste Reisezeit
Die beste Reisezeit für das Land Äthiopien sind die Monate Oktober bis Mai, da in diese Monate nicht die Hauptregenzeit fällt. November bis Januar sind von den Temperaturen am angenehmsten. In diesen Monaten ist auch die Zahl der Sonnenstunden mit 10 Stunden am höchsten. Für das Omo-Land ist von Ende Juli bis Mitte Oktober sowie von Mitte November bis Mitte Februar die beste Reisezeit. Das Gebiet der Danakil besucht man am besten von November bis März. Im Fastenmonat Ramadan sollte man jedoch die Wüste unter allen Umständen meiden. Die Historische Route im Norden wird zumeist zwischen September und April bereist. Die Bale-Berge besucht man am besten zwischen November und März, wobei für botanisch interessierte Reisende die Monate Mai bis Juli optimal sind. Dank vereinzelter Regenfälle präsentieren sich die Berge in üppigem Grün.

Der Wallfahrtsort Lalibela

Kunst & Kultur

Religiöses Kunsthandwerk
Das älteste Kulturland Afrikas nimmt mit seinen christlichen Traditionen einen einzigartigen Platz in der Kulturgeschichte ein. Die reichhaltige Geschichte, Legenden und Traditionen sorgen für eine kulturelle Einmaligkeit. In den letzten zehn Jahrhunderten haben äthiopische Künstler eine erstaunliche Vielfalt an Buchminiaturen, religiösen Malereien, Ikonen und Kreuzen hervorgebracht. Aus keinem anderen christlichen Land der Welt sind so viele verschiedene Kreuzformen bekannt. Auch in der Malerei hat Äthiopien einen ausgeprägten eigenen Charakter entwickelt.

Religiöses Kunsthandwerk sowie traditionelle Gegenstände, Kleidung und Schmuck werden noch heute in aufwändiger Handarbeit nach alten überlieferten Verfahren in Äthiopien hergestellt und sind in der Kultur des Landes noch immer tief verwurzelt. Kunsthandwerk aus Äthiopien ist deshalb weit über die Grenzen des Landes hinaus beliebt. Das religiöse Kunsthandwerk in Äthiopien lässt sich in folgende Kategorien untergliedern:

– Äthiopische Kreuze
– Gemälde und Ikonen
– Buchkunst
– Malerei

Durch den Kauf solcher Objekte können Reisende die Menschen in Äthiopien unterstützen und die Erhaltung seiner alten überlieferten Traditionen fördern. Touristen werden solche Objekte jedoch häufig zu überhöhten Preisen angeboten. Es empfiehlt sich daher sich bei Einkäufen von fachkundigen Einheimischen begleiten zu lassen und sich vorab zu informieren, ob die angebotenen Stücke auch ausgeführt werden dürfen.

Kunsthandwerk aus Äthiopien kann auch in Deutschland erworben werden. Unter www.ethiopianculture.com hat sich ein kleines Familienunternehmen als gefragte Adresse hierfür etabliert.

Traditionelle Volkskunst
Die traditionelle äthiopische Volkskunst umfasst bunte Flechtarbeiten, Holz- und Beinschnitzereien, Lederprägearbeiten sowie kunstvolle Juwelierarbeiten.

Musik
Die traditionelle äthiopische Musik unterscheidet sich stark von den Rhythmen Afrikas. Sie wird gespielt von Sänger-Poeten (Azmari), die singend durch das Land wandern, um ihre Musikkultur zu erhalten und zu verbreiten. Neben den traditionellen Musikformen hat sich ab den 50er Jahren in den Großstädten eine lebendige Popmusikkultur entwickelt, die westliche und nationale Stile miteinander vereint. Seit den 20er Jahren nahmen dabei Musikeinflüsse der Militärorchester wie der Armee, Polizei und der kaiserlichen Leibwache eine besondere Rolle ein. Aber auch Solisten wie der Saxophonist Getachew Mekurya, der traditionellen Gesang mit Saxophonklängen kombiniert, nehmen einen herausragenden Platz in der modernen Musik Äthiopiens ein. Ungewöhnliche Kombinationen aus westlicher und traditionell äthiopischer Musik wurden in den 60er Jahren durch Musikkünstler wie Bizunesh Bekele oder Mulatu Astatke fortgeführt. Herausragend ist der Künstler Tilahun Gesesse, der als „Stimme Äthiopiens“ gilt. In den 70er Jahren ähnelten Orchester wie die „Wallias Band“ Funk-Ensembles. Während der Militärdiktatur flüchteten viele etablierte Künstler, wodurch die Popmusik ihr hohes Niveau leider verloren hat. Internationalen Erfolg erlangte die Musikerin Aster Aweke.

Wohlschmeckende TrockenfrüchteEssen & Trinken

Auch kulinarisch unterscheidet sich die Äthiopische Küche von den übrigen Ländern Schwarzafrikas oder des orientalischen Raumes und hat einiges zu bieten. Die Basis vieler äthiopischer Mahlzeiten bildet Injera, ein großes weiches aus Teff hergestelltes Fladenbrot, das mit verschiedenen verführerischen würzigen Saucen (Wot) serviert wird. Wot gibt es in verschiedenen vegetarischen und fleischhaltigen Varianten. Gegessen wird mit den Fingern (der rechten Hand), da das Sauerteig-Fladenbrot Injera Teller und Besteck ersetzt. Durch das Gewürz Berbere ist das äthiopische Essen im Allgemeinen würzig scharf. Die scharfe Berbere-Soße wird meist separat in kleinen Schalen gereicht.

Fleisch wird von denjenigen gegessen, die es sich leisten können. Kamelfleisch ist beliebt, wohingegen der Verzehr von Schweinefleisch sowohl im Islam als auch in der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche geächtet wird. Während der vorösterlichen Fastenzeit ist der Genuss von Fleisch nach der äthiopischen Kirche mittwochs und freitags verboten. Stattdessen essen die Christen Linsenbrei. In Restaurants wird das vegetarische Gericht Alidscha bestehend aus Gemüse und Soßen angeboten. In traditionellen äthiopischen Restaurants werden die Mahlzeiten rund um einen kleinen, farbenfrohen, gewebten Tisch (Mesob) eingenommen. Bevor das Essen serviert wird, wird Wasser über die Hände der Gäste gegossen. Als beliebtes traditionelles Getränk wird der süße Honigwein Tej oder das Hirsebier Talla angeboten.

Nicht zu vergessen, ist Äthiopien das Ursprungsland des Kaffees, der sich in Äthiopien „Buna“ nennt. Der Legende nach entdeckte ein Ziegenhirte der Region Kaffa die Wirkung der Kaffeefrüchte bei seinen eigenen Ziegen, die bis in die Nacht munter umhersprangen. Zu Beginn brauten dann äthiopische Mönche den ersten Kaffee auf. Aus dieser Zeit erhalten geblieben ist die traditionelle äthiopische Kaffeezeremonie als soziales Erlebnis, bei der frisch gerösteter Kaffee in einer besonderen Kanne (Jabana) ausgeschenkt wird.