Land & Leute

Entdecken Sie das „andere“ Brasilien, jenes, das nicht überall geschrieben steht. Denn Brasilien ist weit aus mehr als nur Kaffee, Samba und Fußball! BRASILIEN in wenigen Worten zu beschreiben, ist einfach: LEIDENSCHAFT für das LEBEN! Die Begeisterung für das Land entsteht durch den charakteristischen Mix aus kultureller Vielfalt in Städten wie Rio de Janeiro oder dem „alten“ Salvador de Bahia, verbunden mit einzigartigen Naturwundern wie den Iguaçu-Wasserfällen (UNESCO), der Chapada Diamantina oder den wie riesige Bettlaken ausschauenden Wanderdünen des Lençóis Maranhense Nationalpark. Die Mystik des gigantischen Amazonas-Urwalds gepaart mit der Artenvielfalt des Pantanals machen einfach sprachlos. Und nicht zuletzt locken unendlich ausgedehnte Küstengebiete mit einsamen naturbelassenen Stränden, die ihre Vollendung auf Inseln wie Fernando de Noronha oder Ilha Grande finden. Das historische Brasilien liegt versteckt im barocken Städtchen Ouro Preto.

Alles in allem ist BRASILIEN eine Ansammlung an SUPERLATIVEN, die es wert sind, erkundet zu werden.

 

Jesus Statur auf dem Berg der Berge in Rio.Geschichte

Die ersten Spuren menschlichen Lebens in Brasilien gehen bis 28.000 v. Chr. zurück. Die Paläo-Indianer ziehen als Jäger und Sammler durch das Land und erreichen um 10.000 v.Chr. schließlich Feuerland an der Südspitze Amerikas. Seitdem entwickelten sich viele Stämme und Kulturen, die die Lebensweise der brasilianischen Bevölkerung bis heute geprägt haben. Ungefähr 20 Mill. Indianer leben im heutigen Lateinamerika. In Mexiko und in den Hochtälern der Anden entstanden große Staatssysteme, die sich bis zum Eintreffen der ersten Europäer zu den blühenden Großreichen der Azteken, Inka und Maya entwickelten. Mit der „Entdeckung“ Amerikas durch Christoph Columbus 1492 sind die letzten Erben der alten Hochkulturen dem Untergang geweiht. Die europäischen Monarchen gieren nach den Gold- und Silberquellen. Die Zahl der Indianer reduziert sich dramatisch. 1494 kommt es zum Vertrag von Tordesillas. Brasilien fällt durch den Schiedsspruch von Papst Alexander VI. in die portugiesische Einflusszone. Erstmals geografisch erwähnt wird „Brasil“ 1507 durch Martin Waldseemüller. Das Land existiert nun mehr offensichtlich für aller Welt Augen. Das Kolonialzeitalter (1534-1821) bricht an. Zahlreiche Kaufleute, Handelskompanien und Abenteurer siedeln sich in der „neuen Welt“ an. Mit der Einführung des Zuckerrohrs und der Plantagenwirtschaft kommt der Dreieckshandel in Schwung. Europäische Manufakturwaren werden in Afrika gegen Sklaven eingetauscht, die in Nord- und Südamerika zur Versteigerung kommen; mit dem Erlös erwirbt man Edelmetalle, Gewürze und Früchte für den Transport in die „alte Welt“. Um 1750 stoßen bewaffnete Trupps der „Bandeirantes“ weiter ins Landesinnere vor. Die spanischen Kolonialmächte müssen einen weiteren territorialen Verlust hinnehmen und im Vertrag vom Madrid die neu festgelegte Westgrenze Brasiliens anerkennen. Einige Zeit später, nämlich 1763, wird Rio de Janeiro neuer Regierungssitz und Landeshauptstadt. Die Machtkämpfe in Europa haben zunehmend Einfluss auf die politischen Geschicke auf dem Südamerikanischen Kontinent. Im Verlauf des Wiener Kongress erhält Brasilien 1815 den Status eines Königreichs. Über die Jahre versuchen die portugiesischen Cortes Brasilien als Kolonie zurückzuwinnen. Dem starken Bestreben Dom Pedros ist es zu verdanken, dass Brasilien 1822 unabhängig wird. Pedro I. wird erster Regent des brasilianischen Kaiserreichs (1822-1888). 1824 erfolgt die diplomatische Anerkennung durch die Vereinigten Staaten; 1825 folgen Großbritannien und Portugal. Auf Anfrage von Erzherzogin Leopoldine kommen Gruppen von deutschen Einwanderern ins Land, die sich in der „Kolonie“ São Leopoldo bei Porto Alegre, Rio Grande do Sul niederließen. Vor Ausrufen der Republick 1889, verbot Brasilien als letztes Land der Welt 1888 die Sklaverei – 25 Jahre nach den Vereinigten Staaten und 100 Jahre nach Haiti! Mit der Abdankung Dom Pedros II., aufgrund eines Militärputsches, beginnt unter Marschall Deodoro da Fonseca das Zeitalter der Föderativen Republik Brasiliens (1889-1963). Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Europa 1914 bricht das Kautschuk-Monopol zusammen. Auch schwächt die Kaffeekrise Ende der 20er Jahre die brasilianische Exportwirtschaft. Nach der Bombardierung eines brasilianischen Schiffes durch die deutsche Seeflotte tritt Brasilien 1942 auf Seiten der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein. Ab 1930 ist Getúlio Vargas bis zu seinem angeblich Selbstmord 1954, mit einer unterbrochenen Amtszeit, Regierungschef, der auf ökonomische und soziale Reformen setzt. Auch in der neuen Hauptstadt Brasilia, wo auf Grund der Kuba-Krise ebenso die Furcht vor einem linken Umsturz wächst, nimmt die Gewaltbereitschaft der oppositionellen Bewegung im Land zu. 1964 kommt es zum Sturz des amtierenden Präsident João Goulart durch die Streitkräfte. Brasilien versinkt von 1964-1985 in eine Militärdiktatur. Mitte der 80er Jahre scheint dies überwunden. In Brasilien herrscht Aufbruchsstimmung, doch die folgenden Präsidenten können dem gesellschaftlichen Druck und den sich angestauten Wünschen der Bevölkerung nicht Standhalten. Vetternwirtschaft, Korruption, Inflation und Arbeitslosigkeit bestimmen bis heute die Stimmung im Land. Ein politisches Problem Brasiliens sind schwache Parteien ohne ideologisch begründete Programme. 2011 wurde Dilma Rousseff als erste Frau zum Staatsoberhaupt Brasiliens gewählt.

Traditionelle Bemalung einer Frau.Bevölkerung, Sprache, Religion, Bildung, Soziales

Brasilien ist das größte und bevölkerungsreichste Land in Südamerika. Dreiviertel der Einwohner lebt in den Städten. Das hat zwei wesentliche Ursachen. Zum einen die jahrzehntelange wirtschaftspolitische Bevorzugung der Industrie gegenüber der Landwirtschaft. Zum anderen die Verhinderung einer einschneidenden Landreform durch die konservativen Großgrundbesitzer. Brasilien hat ca. 198,7 Mill. Einwohner (2012), 1960 waren es noch 70 Mill. Die Bevölkerung hat sich also in den vergangenen 40 Jahren mehr als verdoppelt. Der meiste Bevölkerungszuwachs erfolgt bekanntlich in den Unterschichten und vorzugsweise im sogenannten marginalen Milieu. Große Familien sind ein wichtiges Element der Überlebenssicherung, da Kinder und Jugendliche zum Lebensunterhalt mit beitragen müssen. Außerdem spielt die der katholischen Kirche zu Grunde liegende Geburtenregelung eine Rolle sowie die mangelnde Sexualaufklärung. Nicht zuletzt gilt unter Einheimischen immer noch das Vorurteil, dass „richtiger Mann“ möglichst viele Kinder haben muss. Die ethnische Verteilung lässt sich der Statistik nach wie folgt definieren: Weiße 53%, Mulatten 22%, Mestizen 12%, Schwarze 11% und sonstige 2%.

Sprache. Im Gegensatz zu den anderen Ländern Südamerikas, in denen Spanisch gesprochen wird, ist in Brasilien Portugiesisch die Amtssprache. Menschen, die sich im Alltag auf Portugiesisch verständigen, verstehen größtenteils auch Spanisch. Umgekehrt ist dies zumeist nicht der Fall. Zu den Indianersprachen zählen Guaraní, Makú, Tupi und Gês, die jedoch nur etwa 0,1% der Gesamtbevölkerung Brasiliens anwenden. Insgesamt lassen sich 188 verschiedene Sprachen und Idiome zählen. Vorrangig wurden diese durch indianische wie afrikanische Begriffe beeinflusst. Natürlich hat Brasilien auch seine ureigene Umgangssprache, seinen „Slang“, seine Schimpf- und Koseworte. Daher brauchen Brasilianer und Portugiesen auch mehrere Tage um sich gegenseitig zu verstehen. Im Süden wird vor allem die Minderheitensprache Deutsch gesprochen, welche sich im Zuge der Einwandererwellen im 19. Jh. Etabliert hat. Im Gegenzug dazu spielt die eigentliche Weltsprache Englisch in Brasilien kaum eine Rolle. Meist sprechen selbst in den besten Hotels nur wenige Mitarbeiter ein paar Brocken.

Religion. Brasilien ist das größte katholische Land der Welt, jedenfalls der Statistik nach. Früher gehörten fast alle Einwohner Brasiliens dem katholischen Glauben an; daher auch der Spruch: „Deus é brasileiro – Gott ist Brasilianer“. Unter der Herrschaft der Portugiesen hatte die katholische Kirche viel Einfluss auf die Politik. Seit der Gründung der Republik 1889 sind Kirche und Staat jedoch getrennt und es herrscht Religionsfreiheit. Aber der Anteil der Katholiken sinkt stetig und macht heute kaum noch drei Viertel der Bevölkerung aus. Ein Fünftel der Brasilianer ist anderen Ausprägungen des Christentums zuzuordnen; meist sind sie protestantisch orientiert. Des Weiteren gibt es knapp 1.400.000 Zeugen Jehovas, etwa 225.000 Mormonen, 245.000 Buddhisten, 107.000 Juden, über 35.000 Muslime und mehr als 5.500 Hindus. 8,0% erklärten, keiner Religion anzugehören. Einen völlig anderen Schwerpunkt bilden die afro-brasilianische Religionen, die zumeist durch die Sklaverei geprägt worden. Sie künden vom Widerstand der Afro-Brasilianer, vom Rassismus der Weißen, Mächtigen und Reichen, die sie verfolgten, aber auch von Assimilation, Synkretismus und Synthese sowie von der stetigen Präsenz Afrikas auf dem amerikanischen Kontinent.

Bildung. Das Bildungswesen wird in Brasilien über öffentliche wie über private Institutionen bestimmt, die sich in die Bereiche der Vor- und Grundschulen, Sekundarschulen und Universitäten gliedern. Die Grundschulausbildung von Kindern ist kostenfrei und obligatorisch, doch meist genießen die staatlichen Schulen einen schlechten Ruf. Schulpflichtige Kinder sind in der Regel zwischen 7 und 15 Jahre alt. Das Schuljahr geht üblicherweise von Anfang Februar und bis in die erste Dezemberhälfte. Im gesamten Monat Juli sind Winterferien. Die Oberstufe wir mit der 11. Klasse abgeschlossen. Da jedoch viele Jugendliche ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen müssen, um den Lebensunterhalt der Familien mit zu tragen, ist die Analphabetenquote relativ hoch. Verschiedene soziale Programme versuchen dem entgegen zu wirken. Grundsätzlich fließt in das brasilianische Bildungssystem relativ viel Geld; ähnlich der Höhe des deutschen Bildungsbudgets. Das brasilianische Bildungswesen untersteht der Aufsicht des Bundeserziehungsministeriums. Hier werden Lehrpläne und die Einhaltung der Lernziele geprüft und festgelegt. Zu den führenden Universitäten im Land zählen die Universität von Brasília (1961), die Universität von São Paulo (1934), die päpstlich-katholische Universität von Campinas (1941), die Bundesuniversität von Rio de Janeiro (1920) und die päpstlich-katholische Universität von Rio Grande do Sul (1948) in Porto Alegre.

Soziales. Der Ursprung der sozialen Extreme in Brasilien ist in der Lebensform der Fazendas zu suchen. Noch heute beeinflusst dieses Feudalsystem der von Sklaven aufgebauten Landgüter die Gesellschaft. Die Tradition von Herrentum und Unterwürfigkeit existiert bisweilen heute noch. Das Ergebnis ist eine komplexes System unterschiedlicher sozialer, ethnischer, kultureller, religiöser, regionaler und politischer Gruppen. So existiert einerseits eine Oberschicht in den Zentren wie Rio de Janeiro; andererseits leben Indianerstämme, Großgrundbesitzer und eine moderne Arbeiterschaft gleichberechtigt nebeneinander. Brasilien gilt als typisches Schwellenland mit einem hohen Grad an Industrialisierung und einem breiten Angebot an Gütern. Trotzdem existiert der Großteil nur am Rande der Armutsgrenze, vor allem in den Außenbezirken der Städte – den Favelas. Die Bereitschaft zur Kriminalität ist hoch. Alkohol und Drogen „helfen“ dabei, den harten Alltag vergessen zu machen. Staatliche Leistungen wie Rente, Arbeitslosenversicherung oder Sozialhilfe sind minimal. Die wenigsten kommen überhaupt in ihren Genuss. Hingegen wird ein jeder behandelt, der eine ärztliche Betreuung benötigt – auch ohne Krankenversicherung. In vielen Fällen vertrauen Betroffen allerdings lieber auf alte Hausmittel als sich in die Obhut staatlicher Krankenhäuser zu begeben.

Junge Brasilianierin festlich gekleidet zum Karneval am Amazonas.Kunst & Kultur

Die brasilianische Kunst ist untrennbar mit dem brasilianischen Licht und eng mit den Trends und Moden anderer Länder verbunden. Ist das Licht ein Charakteristikum der brasilianischen Kunst, so ist die Originalität ihrer herausragenden Künstler ein anderes. Der Ursprung allen Schaffens liegt zudem im Glauben und der Religion der Brasilianer und begann mit der Sakralkunst während der Kolonialzeit. Die meisten kirchlichen Bauten entstanden im Auftrag der Jesuiten-, Franziskaner- und Benediktinerorden. , die prunkvolle Ausstattung der Kirchen nahm mit den grossen Goldfunden ab 1695 zu, besonders in Minas Gerais. 1922 lösten sich die Künstler nach der Woche der Modernen Kunst in São Paulo von der akademischen Tradition Europas. Man gab nun einheimischen Themen den Vorrang vor europäisch beeinflussten Inhalten. Einige von Brasiliens führenden Künstlern gehörten einer heterogenen Bewegung an, die als die „Gruppe der 19“ bezeichnet wurde. Diese Künstler stellten erstmals Ende der vierziger Jahre in der Galerie Prestes Maia in São Paulo aus. Künstler, die in anderen Ländern geboren wurden, aber in Brasilien eine zweite Heimat gefunden haben, konnten zum Teil großen Einfluss auf das kulturelle Leben des Landes nehmen. Die Gegenwartskunst lässt sich immer weniger einheitlich bestimmen. Nach Phasen der „Neuen Objektivität“ in den 60er Jahren, den nachfolgenden Moden des Happenings und der Performance sowie der Post-Moderne in den 80er Jahren lässt sich heute kein entsprechendes Schlagwort mehr finden.

Krokodil oder Alligator.Flora & Fauna

Brasilien nimmt mit 3.000 Wirbeltierarten, 3.000 Süßwasserfischarten, 55.000 Blütenpflanzenarten, 524 Säugetierarten und 51 Primatenarten den Spitzenplatz unter den artenreichsten Ländern dieser Erde ein. Auch die meisten der bekannten Insektenarten leben hier. Den zweiten Platz belegt Brasilien hinsichtlich der Amphibien, welche mit 517 Arten immer noch gut vertreten sind. Außerdem fühlen sich in diesen Breiten 1.622 Vogelarten, 387 Palmenarten und 468 Reptilienarten sehr wohl. Anzumerken bleibt allerdings, dass auch über 200 Tierarten vom Aussterben bedroht sind. Zu Beobachten ist ebenso der Rückkgang der riesigen Waldgebiete im Amazonas, wodurch vielen Tieren zusätzlicher Lebensraum genommen wird.

Vegetation. Die meisten Pflanzenarten wachsen im Norden des Landes. Der Großenteil der Fläche ist hier vom immergrünen Regenwald bedeckt. Unterteilt wird das Gebiet in den überschwemmungsfreien „Eté-Wald“, der höher gelegenen Terra firme, die 98% der Fläche Amazoniens ausmacht. Zu den besonderen Gewächsen zählen der Gummibaum „Caucho“, das Edelholz Palisander, der Paránussbaum und viele Heilpflanzen. Orchideen gedeihen besonders gut in den nur bei Hochwasser überschwemmten „Várzea“. Im ständig überschwemmten „Igapó“ ist die Açaí-Palme am charakteristischsten. Die Flora im Nordostens steht in deutlichem Kontrast zur üppig-grünen Amazonaslandschaft. Der frühere atlantische Regenwald musste den riesigen Zuckerrohrplantagen weichen. Lediglich einige Mangrovenwälder und Palmenhaine sind übrig geblieben. Im halbwüstenähnlichen Landesinneren, dem Sertão, finden nur karge Savannenwälder und das trockene Dornstrauchwerk der „Caatingas“. Im Mittelwesten überwiegen die Savannengebiete „Campos Cerrados“, die sich weit über das zentralbrasilianischen Hochland erstrecken. Im tiefer gelegenen Pantanal, eines der größten Überschwemmungsgebiete der Erde, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Hier gedeihen zahlreiche Büschelgräser, Schwimmpflanzen und offene Gehölze. Im Süden fällt die Vegetation eher subtropisch aus. Die am weitesten südlich gelegenen Mangrovenvorkommen reichen nur bis zur Küste von Santa Catarina. Ansonsten ist dieser Teil Brasiliens durch die für hier typischen Feuchtwälder und Graslandschaften definiert. Auf dem Hochland existierten früher ausgedehnte Araukarienwälder, die jedoch für den Holzexport gerodet wurden. Auch der gesamte Küstenwald im Südosten ist weitestgehend zerstört, bedingt durch das Vordringen von Kaffeeplantagen, Rinderweidewirtschaft und die enorme starke Bevölkerungsexplosion. Teilweise hat sich wieder Sekundärwald und Grasland gebildet; am ehesten aber konnte sich die Natur in den eigens geschaffenen Nationalparks und Biosphärenreservaten erholen.

Nutzpflanzen. Mit der Besiedlung Brasiliens durch die Portugiesen erreichten viele für den südamerikanischen Kontinent untypische Pflanzen das Land. Einige haben sich als Nutzpflanzen gehalten und bestimmen heute den Markt für organische Lebensmittel. Auf dem gesamten Globus zählt man etwa 15 Milliarden Kaffeebäume, allein 4 Milliarden davon wachsen hier. Das Zuckerrohr wird immer noch mit der Hand geschnitten. Kakao, Soja und Stevia sind die aktuellen Exportschlager. Bei den Tropenfrüchten wie Açaí, Acerola, Bananen, Cashew, Kokosnüsse, Guaven, Papayas, Mangos, Maracujas und Melonen ist das Land unangefochten Marktführer. Weiterhin werden eine Vielzahl an Gewürzen (Zimt, Gewürznelken, Pfeffer, Sesam und Guaraná) sowie ätherische Ölen ausgeführt, die als Essenzen für Lebensmittel und Kosmetika dienen.

Tierwelt. Die Fauna Brasiliens ist außerordentlich artenreich, aber arm an größeren Säugetieren. Charakteristisch sind die zahnarmen Faultiere, das gepanzerte Gürteltier und der Ameisenbär, der einen sehr langen, schmalen Kopf und röhrenförmig verlängerte Kiefer mit einer Fangzunge besitzt. Die größten Tiere im Waldland sind der Tapir und das Wildschwein „Pekari“. Außerdem gehören ganz sicher der Jaguar und der Puma dazu. In den Baumwipfeln fühlen sich zahlreiche Affenarten pudelwohl wie z. B. der Brüllaffe. Der kleine Kamphirsch, das Stinktier, der Wasch- oder der Nasenbär leben im Gebiet der Feuchtsavannen. Unter den Beuteltieren ist der rattenähnliche Gambá zu nennen. Am meisten verbreitet idt die Gattung der Vögel. Nahezu 1.700 Arten verteilen sich zu gut zwei Drittel im Amazonasgebiet. Besonders farbenprächtig sind die Papageien wie der Ara, die Tukune und die Kolibris. Von den Singvögeln scheinen der Sabiá oder der Glockenvogel „Araponga“ erwähnenswert. Unter den Raubvögeln gibt es verschiedene Falken- und Geierarten. Als absolutes Vogelparadies gilt die Ebene des Pantanals, wo Rebhühner, Wachteln, Wildenten, der weiße Reiher oder der Nandu sich mit Vorliebe aufhalten. Gefürchtet und vom Menschen als bedrohlich eingeschätzt wird beispielsweise die Vogelspinne. Außerdem zählen der Skorpion, der Zitteraal oder viele der in Brasilien beheimateten Schlangenarten wie die „Boa Constrictor“ oder die Gattung der Klapperschlangen zu den als gefährlich eingestuften Lebewesen.

Bedrohte Tiere. Viele der Arten sind infolge der schnell voranschreitenden Besiedlung der Landesteile, die häufig mit einer großflächigen Brandrodung einherging, nur noch fernab der Städte anzutreffen. Der Großteil steht auf der roten Liste bedrohter Lebewesen. Dazu gehören unter anderem die bis zu 200 kg schweren Riesenschildkröten, Fischotter, verschiedenste Krokodil- und Alligatorengattungen als auch der Jaguar und der Puma. Im Amazonas leben die selten gewordenen rosa Flussdelphine sowie die über 2 m lange und nahezu eine Tonne schwere Amazonas-Seekuh „Peixe-Boi“, deren Jagd (Tran) streng verboten wurde. Der gesetzliche Schutz und das Jagdverbot sowie die Export- und Verarbeitungsbeschränkungen von Fellen, Häuten und Panzern können nur mit Schwierigkeiten durchgesetzt werden. Einerseits dient das Fleisch vielerorts als Lebensgrundlage für die Bevölkerung. Andererseits floriert das Geschäft auf dem Schwarzmarkt mit tierischer Schmuggelware.

Die brasilianische Flagge als Symbol ihrer Einheit.Nationalflagge & Nationalhymne

Kein anderes Symbol steht so für die Einheit der brasilianischen Nation und den gemeinsamen Zukunftsentwürfen wie die brasilianische Flagge. Ob im Fußballstadion, an der Spitze der Karnevalsumzüge oder als Wandschmuck gleich über dem Hausaltar; immer dann, wenn etwas von hoher emotionaler Wertigkeit ist, spielt die brasilianische Fahne eine wesentliche Rolle. Der erste Entwurf wurde gleich bei Gründung der brasilianischen Republik am 15.November 1889 vorgestellt. Dieser war gewissermaßen eine Kopie der nordamerikanischen Nationalflagge, gestaltet mit grünen und gelben Streifen, die die vereinigten brasilianischen Bundesstaaten symbolisieren sollten. Nur vier Tage später, am 19.November 1889, wurde von General Benjamin Constant ein neuer Entwurf vorgelegt. Vor allem aus São Paulo waren in jenen Tagen Stimmen laut geworden, die eine Flagge mit stärkeren nationalen Bezügen forderten. Angelehnt an den Positivismus des französischen Philosophen Auguste Comte (1789-1857) wurden als Elemente der nationalen Entwicklung die Liebe als Prinzip, die Ordnung als Basis und der Fortschritt als Ziel definiert und im Leitspruch der Nation festgehalten: „Ordem e Progresso“ – Ordnung und Fortschritt! In der Farbgebung nimmt die „Bandeira Brasileira“ ebenfalls brasilianische Realitäten und Visionen auf. Das flächige Grün steht für Wald und Natur, das Gelb in Form einer Raute für die Reichtümer, der in Blau gehaltene Kreis für den Himmel und das Weiß für den Frieden. Die 27 Sterne zeigen sowohl dem nächtlichen Himmelsbild als auch den brasilianischen Bundesstaaten mit Brasília. Die Musik der brasilianischen Nationalhymne wurde von Francisco Manuel da Silva um 1831 komponiert. Im Jahre 1890 wurde sie offiziell zur Hymne des Landes bestimmt. Es gibt Meinungen, dass die Melodie ein Plagiat eines Stückes von Padre José Maurício Nunes Garcia (1765-1830), dem Lehrer da Silvas, darstellt. Andere wiederum meinen, im ersten Thema ein in Moll gesetztes Thema aus einer Violinensonate Niccolo Paganinis wiederzuerkennen. Den Text zu Hymne schrieb Osório Duque Estrada (1922).

Restaurant.Kulinarika – Speisen, Kräuter & Gewürze, Getränke, Bars & Restaurants

Ein Land, das so gross und vielfältig ist wie Brasilien, hat natürlich auch seine regional unterschiedlichen kulinarischen Spezialitäten. Ausserdem haben Einwanderer die brasilianische Küche sehr beeinflusst: In einigen Gebieten im Süden merkt man den deutschen Einfluss, die italienischen und japanischen Einwanderer haben die Küche in São Paulo geprägt. Einige der typischen brasilianischen Gerichte stammen aus der portugiesischen und afrikanischen Küche. Zahlreiche Früchte, Gemüse oder Zutaten sind lediglich in manchen Regionen erhältlich, zahlreiche Speisen des Nordens sind im Süden oft nicht einmal dem Namen nach bekannt – oder umgekehrt. Obwohl man im allgemeinen, keine grosse Vielfalt an Kräutern benutzt, ist die brasilianische Küche wohlschmeckend gewürzt.Ein Land, das so gross und vielfältig ist wie Brasilien, hat natürlich auch seine regional unterschiedlichen kulinarischen Spezialitäten. Ausserdem haben Einwanderer die brasilianische Küche sehr beeinflusst: In einigen Gebieten im Süden merkt man den deutschen Einfluss, die italienischen und japanischen Einwanderer haben die Küche in São Paulo geprägt.In der Vielfältigkeit liegt der Reiz dieses Landes und seiner Menschen, deren Essgewohnheiten ein Teil ihres Alltags, ihrer Lebensbewältigung und ihrer Lebensfreude sind. Fast alle Zutaten zu den Rezepten gibt es auch bei uns zu kaufen; spezielle Zutaten können Sie bestellen.

Speisen. Als eine Art Nationalgericht gilt ein deftiger Eintopf – der Feijoada; zubereitet aus schwarzen Bohnen, Rind- und Schweinefleisch, Speck oder Wurst, Knoblauch und Pfeffer. Selbst Ohren, Rüssel und Ringelschwanz vom Schwein werden als Geschmacksgeber mitgekocht. Einheimische bevorzugen das Gericht als einfache Tagesspeise, das zusammen mit Reis, Grünkohl und Farofa (geröstetes Maniokmehl) angeboten wird. Ursprünglich wurde es als billiges Essen für die Sklaven aus Resten gemacht. Die ursprünglich aus dem Süden stammende Speise Churrasco Misto ist ganz einfach Fleisch über offenem Feuer gegrillt. Die meisten Churrascarias bieten den Spießbraten als Rodizio an: zu einem festen Preis kann der Gast von mehreren Fleischsorten essen, soviel er will. Die Kellner bringen Spieße mit gegrilltem Rind- und Schweinefleisch, Hühnchen und Würsten an Ihren Tisch und schneiden die Stücke Ihrer Wahl ab. Die Grundzutaten vieler brasilianischer Desserts sind sehr oft Früchte, Kokosnuss, Eigelb oder Milch. Kokosnuss erscheint auf verschiedenste Art als Nachspeise oder Bonbons. Quindim, beispielsweise, ist eine reichhaltige Kokosnuss-Eiercreme; Doce de leite ähnelt der Crème Karamel; Pudim de leite steht für einn süßen Pudding, der aus süsser Kondensmilch und Karamellsirup gemacht wird.

Kräuter & Gewürze. In Brasilien gehören frische Korianderblätter als unentbehrliche Zutat zu Fisch- und Krabbengerichte. Sie verleihen den Speisen einen eigenen Geschmack, der nicht durch die Zugabe von gemahlenen Koriander erreicht werden kann. Koriander lässt sich wie Petersilie selbst ziehen. Auch die Blätter sind denen der Petersilie sehr ähnlich. Außerdem ist Knoblauch in der brasilianischen Küche ein fester Bestandteil vieler Gerichte. Man verwendet ihn mässig, aber regelmässig fein zerdrückt. Für eine frische Note beim kochen sorgt die Kräutermischung „Cheiro Verde“ aus Petersilie, Schnittlauch, Koriander und grüner Minze. Diese wird oft zusammen im Bund mit den Speisen mitgekocht, vor dem Servieren jedoch herausgenommen. Der CPimente do Reino“ (Königspfeffer) ist unserem schwarzen Pfeffer gleichzusetzen. Spricht man heute von „Pimenta Malagueta“, so meint man meist die kleinen, frischen oder getrockneten Pfefferschoten (Chilis). Sie fehlen in keinem Haushalt. Ihr Geschmack ist nicht nur scharf, sondern sehr aromatisch. Die Schoten sind ein raffinierte Würzmittel, sehr gesund und wirken antibakteriell.

Getränke. Als typisch brasilianische Getränke gelten die Batidas und der Caipirinha, Cocktails mitdem typischen Zuckerrohrschnaps – Cachaça , Limonen, viel Eis und Zucker. Bei der Abwandlung Caipirosca dient Wodka als Grundstoff. Jede Region rühmt sich ihrer eigenen Cachaça. Die traditionellen Brennereien liegen in Minas Gerais, Rio de Janeiro, São Paulo und im Nordosten, wo Zuckerrohr seit langem angebaut wird. Großer Beliebtheit erfreuen sich immer mehr die brasilianischen Biere (Antarctica, Brahma) und verdrängen langsam den Cachaça von Position Eins der Nationalgetränke. Unter den nicht alkoholischen Getränken sind die frischen Fruchtsäfte ein wahrer Genuss. In vielen Ortschaften oder am Straßenrand wird ausserdem oft das Água de Côco, der Saft der noch grünen Kokosnuss, sowie Caldo de Cana, frisch gepresster Zuckerrohrsaft, angeboten. Guaraná, ein aphrodisierendes, alkoholfreies Getränk der Indigena aus Amazonien, wird überall wie eine Art nationale Coca-Cola verkauft. Der „Cafézinho“ (Kleiner Kaffee) ist an allen Ecken zu bekommen. Der Kaffee wird dunkel geröstet, fein gemahlen, stark und mit sehr viel Zucker getrunken. Kaffee mit heisser Milch – Café com Leite – ist in ganz Brasilien das traditionelle Getränk zum Frühstück.

Bars & Restaurants. In Brasilien trifft man Freunde und Kollegen nicht Zuhause, sondern eher unterwegs. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die „Boteco“ – einfache Bars, in denen schmackhafte Kleinigkeiten wie Muscheln, Krebse, gegrillte Fische, aber auch Appetithappen aus Fleisch angeboten werden. Kleidungsvorschriften sind eher selten; allerdings achten die Türsteher auf geschlossene Schuhe! Die besseren, strandnahe Gaststätten darf man nur mit einem Kleid oder T-Shirt drüber in Bikini oder Badehose betreten. Generell wartet man am Eingang des Lokales, bis einem ein Tisch zugewiesen wird. Brasilianische Restaurants bieten ein Couvert, bestehend aus Brot und Butter, an. Scheuen Sie sich nicht, dieses abzulehnen. Es kostet extra und muss auf den Menu-Preis aufgeschlagen werden. Die günstigen Restaurants finden sich häufig in den Geschäfts-, Markt- und Industrievierteln. Die Tageskarte ist auf einer Tafel vor der Tür angeschrieben. Das Trinkgeld von 10% wird meist auf den Preis aufgeschlagen. Die meisten Brasilianer essen relativ spät abends, daher kann es ab 22:00 Uhr in den von Einheimischen frequentierten Restaurants zu kurzen Wartezeiten kommen. Die Portionen sind riesig, denn für den, der es sich leisten kann, dort zu essen, soll Überfluss demonstriert werden.