Land & Leute

In dem uralten Sanskrit-Vers Atithi Devo Bhava wurde die Beziehung zwischen Gast und Gastgeber in Indien bereits vor tausenden von Jahren definiert. Demnach werden in Indien Gäste als Götter verehrt und auch so behandelt. Bis heute kann man als Reisender die ausgezeichnete Gastfreundschaft der Inder genießen. Sie sind weltoffen, freundlich und immer für einen Plausch zu begeistern.

Die riesige Bevölkerung von mehr als 1,2 Milliarden Menschen ist extrem divers und setzt sich aus einer Vielzahl religiöser, ethnischer, kultureller und sozialer Gruppen zusammen. Die Einheit des zweit-bevölkerungsreichsten Staates der Welt liegt in seiner Diversität. Als Reisender hat man das Gefühl, es existiere nicht nur ein, sondern Millionen von Indiens.

So unterschiedlich wie das Aussehen und die Lebensweise der Menschen in Indien, so ist auch die Geografie sowie die Flora und Fauna. Im Norden an dem höchsten Gebirge der Welt, dem Himalaya, grenzend und umschlossen vom Indischen Ozean, bietet der Subkontinent eine unvergleichliche Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt. Diese kann man bereits auf kleineren Tagesausflügen erspähen und erkunden. Die Kultur und biologische Vielfalt Indiens lassen sich besonders gut bei einer spannenden Safaris durch einen der zahlreichen Nationalparks, bei ausgedehnten Wander- und Trekkingtouren oder im persönlichen Gespräch mit Einwohnern entdecken.

Indiens Städte bieten dagegen einen faszinierenden Einblick in das moderne Indien im 21. Jahrhundert mit all seinen Widersprüchlichkeiten. Beim ersten Aufenthalt in einer der Mega-Städte Indiens, wie Mumbai, Delhi oder Kalkutta scheint oft zunächst alles sehr hektisch und chaotisch. Schnell beginnt man jedoch zu verstehen, dass man in Indiens Städten den Puls der Zeit spüren kann. Hier erlebt man das junge, das aufstrebende Indien in all seiner Vielfalt.

Unter den folgenden Punkten finden Sie wichtige Informationen, die Ihnen helfen Indien und seine Bewohner besser zu verstehen.

Farbenfroher TempelGeschichte

Der Nationalstaat Indien existiert in seinen heutigen Grenzen erst seit seiner Unabhängigkeit 1947. In vielerlei Hinsicht geprägt durch die Herrschaft der Moguln und die britische Kolonialherrschaft, liegen die vor allem die kulturellen Ursprünge Indiens in der Indus-Tal-Zivilisation.

Vorgeschichte & Klassik
Die Indus-Tal-Zivilisation war eine der ersten Hochkulturen der Menschheit. Das Indus-Tal verläuft entlang des Flusses Indus, der auch durch das heutige Pakistan fließt. Archäologische Funde belegen, dass es entlang des Flusses bereits 2.500 v. Chr. große Stadtanlagen mit eigenen Kanalisationssystemen gab. Die Menschen dieser Zivilisation verfügten sogar über eine eigene Schrift, die bis heute nicht entziffert werden konnte. Um 1.700 v. Chr. zerfiel es aus unergründlicher Weise.

Nachfolgend gilt in der Geschichte die vedische Zeitperiode (von ca. 1.500 – 500 v. Chr.) als prägend für heutige Kultur- und Religionsformen in Indien. Zu dieser Zeit wurden die sogenannten Veden geschaffen, eine Sammlung philosophischer Schriften. Einige Elemente dieser Schriften bilden in vielerlei Hinsicht die Grundlage für die in Indien entstanden Religionen Hinduismus, Buddhismus und Jainismus.

Im 4. Jahrhundert. v. Chr. entstand ein erstes indisches Großreich der Maurya Dynastie. Nachdem ihr Herrscher Ashoka fast den gesamten indischen Subkontinent erobert hatte, wandte er sich dem Buddhismus zu, den er im eigenen Land und weit darüber hinaus zu verbreiten versuchte. Sein Tod führte zum Zerfall des Großreichs in viele kleine Königreiche und Fürstentümer. Erst die Gupta Dynastie vereinte im 4. Jahrhundert n. Chr. die zahlreichen Kleinstaaten wieder zu einem Großreich in Nordindien. Der Niedergang der Gupta Dynastie und der Beginn arabischer Eroberungszüge im 8. Jh. n. Chr. markieren den Übergang zur Periode des indischen Mittelalters und der nachfolgenden Mogul-Herrschaft auf dem Subkontinent.

Mittelalter & Mogulreich
Einhergehend mit arabischen Eroberungszügen, kam auch erstmals der Islam nach Nordindien. Doch erst die Invasion islamischer Gruppen aus Zentralasien führte in Nordindien zu einer Dominanz muslimischer Herrschaft im 12. Jh. . Das Sultanat von Delhi konnte seinen Machtbereich für eine kurze Zeit auch über Südindien ausdehnen, aber der Einfall der Mongolen Ende des 14. Jh. schwächte die Vorherrschaft des Sultanats immens und führte zu wiedererstarkten Regionalreichen.

Im 16. Jh. haben sich die muslimischen Herrscher vollends erholt und gründen das Mogulreich, welches die folgenden 200 Jahre im Norden Indiens dominiert und bis 1857 Bestand hatte. Bedeutende Herrscher wie Akbar, Jahangir, Shah Jahan und Aurangzeb erweiterten nicht nur kontinuierlich die Grenzen, sondern schufen ein funktionstüchtiges Staats- und Verwaltungswesen und förderten darüber hinaus Kunst, Literatur und Architektur. Das wohl berühmteste Beispiel für die meisterhafte Baukunst der Zeit der Mogul ist das Taj Mahal in Agra. Großmogul Shah Jahan baute das Mausoleum für seine Frau Mumtaz Mahal, als Zeichen seiner Liebe und Verehrung.

Kolonialzeit & Unabhängigkeitsbewegung
Um 1500 setzte das Zeitalter der europäischen Expansion ein. Nun begannen Franzosen, Niederländer und Briten Stützpunkte zum Überseehandel in Indien einzurichten. 1756 gelang es der British East India Company nach und nach, von ihren 3 Stützpunkten Kalkutta, Madras und Bombay aus, große Teile des Subkontinents unter ihre Kontrolle zu bringen.

Um 1857 und 1858 erhob sich ein großer Teil der Bevölkerung Indiens gegen die britische Vorherrschaft durch die British East India Company. Dieser Aufstand wurde durch jene Inder ausgelöst, die dem Militär der BEIC dienten. Nach der Niederschlagung der Proteste wurde die BEIC aufgelöst und Indien der vollständigen Kontrolle durch Großbritannien unterstellt. Deshalb trugen alle britischen Monarchen zwischen 1877 und 1947 zusätzlich den Titel Empress of India oder Emperor of India (Kaiser[in] von Indien). Die kolonialen Prachtbauten prägen bis heute das Bild zahlreicher Städte in Indien und sind das Ziel zahlreicher Touristen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall immer wieder!

1885 wurde in Bombay der Indian National Congress (Kongress-Partei) gegründet, der anfangs nicht die Unabhängigkeit Indiens, sondern in erster Linie mehr politische Rechte für die einheimische Bevölkerung fordern sollte. Erst mit der Desillusionierung über die Überlegenheit der kolonialen Herrschaft durch die grauenhafte Ereignisse zu Beginn bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa und auch weltweit, kam es zur Entstehung einer beachtenswerten Unabhängigkeitsbewegung. Vor allem der gewaltfreie Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft, angeführt von Mohandas K. Gandhi und Jawaharlal Nehru, führte zur Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947.

Neuzeit
Der Unabhängigkeit Indiens folgte die Abspaltung der Regionen, in denen die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch geprägt war in Ost- & Westpakistan. 1950 wurde Indien durch die Verabschiedung einer Verfassung, die maßgeblich durch Bhimrao Ambedkar beeinflusst wurde, zur Republik erklärt. Im Streit um Grenzregionen kam es zwischen Indien und Westpakistan 1947 bis 1949, und 1965 zu zwei Kriegen. 1971 unterstütze Indien dann Unabhängigkeitsbewegungen in Ostpakistan, was erneut zu einem Krieg mit Westpakistan führte. In dessen Folge wurde der muslimisch geprägte Staat Bangladesh begründet. Innenpoltisch dominierte bis Anfang der 1970er Jahre die Kongress-Partei auf Bundesebene. Zunächst unter der Führung des Premierministers Jawaharlal Nehru von 1947 bis 1964. 1966 wird dann seine Tochter Indira Gandhi zur Premierministerin und beginnt ihre Machtposition auszubauen. Dies führte zu einer Erstarkung von Oppositionsbewegungen auf nationaler Ebene. 1975 befindet ein Gericht Indira Gandhi des Wahlbetrugs in den Wahlen von 1971 für schuldig. Doch anstatt den Rücktrittsforderungen der Opposition nachzukommen, ruft sie den Notstand aus und regiert bis 1977 per Dekret.

Durch diese repressive Politik verlor die Kongress-Partei die Wahlen 1977 und erstmals regierte eine linksgerichtete Koalition, angeführt durch die Janata Partei bis 1980. In diesem Jahr gelingt es Indira Gandhi und der Kongress-Partei erneut an die Macht zu kommen. Im Verlauf ihrer zweiten Amtszeit als Premierministerin spitzte sich der Konflikt mit sikhistischen Separatisten in der nordwestlichen Region Punjab immer weiter zu. 1984 eskaliert er und in dessen Verlauf wird Indira Gandhi ermordet. Ihr Sohn Rajiv Gandhi übernimmt daraufhin die Amtsgeschäfte. Er bleibt einige Jahre Premierminister, verliert dann aber die Wahlen 1989. Kurz nachdem Rajiv Gandi mit der Kongress-Partei 1991 wieder an die Macht gelangt war, wird auch er ermordet. Anstatt seiner übernimmt von 1991 bis 1996 R.V.N. Rao die Regierungsgeschäfte und leitet in erster Linie die wirtschaftliche Liberalisierung des Landes ein.

Seit den 1980er Jahren lässt sich ein Aufschwung des Hindu-Nationalismus in Indien feststellen. Der politische Arm der Bewegung, die Bharatiya Janata Partei (BJP) führte sogar die Regierungskoalition in Indien zwischen 1998 und 2004 an und stellten den Regierungschef. 2004 gelang es Sonia Gandhi, mit der Kongress-Partei die Wahl für sich zu entscheiden. Sie verzichtete allerdings auf das Amt und überließ es Manmohan Sing, der bis heute Premierminister Indiens ist. Hier erhalten Sie einen Überblick über die unterschiedlichen Religionen in Indien.

MarkttreibenKultur

Kultur in Indien gehört zu den Mannigfaltigsten auf dieser Erde und prägte ganz Süd- und Südostasien. Man kann eigentlich gar nicht von einer „indischen Kultur“ sprechen, da es in Indien eine schier unüberschaubare Fülle verschiedener Kulturen gibt.

Die kulturelle Geschichte Indiens beginnt vor etwa 4.500 Jahren, im vedischen Zeitalter (1.500-500 v. Chr.). Zentrale Konzepte und Ideen, wie Dharma, Karma oder Yoga haben in der Philosophie, Mythologie und Literatur dieser Zeit ihren Ursprung und sind bis heute erhalten geblieben. Über Jahrhunderte bildeten sich auf dem Subkontinent eine Vielzahl unterschiedlichster Kultur- und Religionsformen heraus. Hinduismus, Buddhismus, Sikkhismus und Jainismus entstanden innerhalb Indiens. Christentum und Islam verbreiteten sich erst später in der Bevölkerung, seit der Zeit der Mogul und der anschließenden europäischen Kolonialherrschaft.

Architektur
In der Architektur und Kunst in Indien spiegelt sich sowohl die kulturelle und religiöse Vielfalt des Landes, als auch dessen historische Entwicklung wieder. In Regionen im heutigen Pakistan, Punjab oder Gujarat wurden Überreste der Industal-Zivilisation (ca. 2.500 v. Chr.) entdeckt, bei denen vor allem Holz, Lehm und gebrannte Ziegel als Baumaterialien verwendet wurde. Zu den ältesten vollständig erhaltenen Bauwerken Indiens sind buddhistische Stupas. Jeder Teil eines Stupas hat eine individuelle Bedeutung und als Ganzes soll er den Weltenberg Meru darstellen. Besonders bemerkenswert ist der große Stupa von Sanchi aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, im heutigen Bundesstaat Madhya Pradesh.

Zeitgleich entwickelte sich neben der beeindruckenden buddhistischen auch die vielseitige jainistische Architektur. Diese zeichnet sich besonders durch ihre offenen und von Licht durchfluteten Räume, sowie filigranen und kunstvollen Steinmetzbearbeitern aus. Zu den wohl bekanntesten und schönsten Beispielen dieser Baukunst gehört der Tempel von Ranakpur, in Rajasthan, aus dem 15. Jahrhundert. In der hinduistisch- geprägten Tempelarchitektur kristallisieren sich ab dem 7. Jahrhundert nach Chr. mit der Zeit zwei verschiedene Architekturstile heraus. In Nordindien dominiert der sogenannte Nagara-Stil, während man in Südindien überweiegend den Dravida-Stil vorfindet.

Mit dem Vordringen des Islam entstand ab dem 12. Jahrhundert die sogenannte indo-islamische Architektur. Sie kombiniert Elemente der hinduistisch und muslimisch geprägten Architektur zu einer völlig neuen und einzigartigen Baukunst. Das Taj Mahal in Agra ist das weltweit bekannteste Beispiel dafür. Auch die Briten und andere europäische Kolonialmächte hinterließen ihre Spuren in der Architektur Indiens. Bis heute prägen pompöse Kolonialbauten das Stadtbild der großen Metropolen, wie Mumbai, Chennai oder Kolkata. Die Verschmelzung indischer und europäischer Architektur brachte im Laufe der Zeit einen weiteren neuen Stil, die sogenannte indo-sarazenischen Architektur, hervor. Beispiele für moderne Architektur in Indien bieten vor allem der Bahai Tempel in Neu-Delhi in Form einer Lotusblüte oder der Campus des Indian Institute of Management in Ahmedabad (Gujarat).

Sprachen & Schriften
In Indien gibt es weit mehr als 100 Sprachen aus verschiedenen Sprachfamilien und über 500 Dialekte. Der größte Teil aller Sprachen in Indien gehören entweder zur indoeuropäischen bzw. indoarischen, dravidischen, tibetobirmanischen oder austroasiatischen Sprachfamilie. Die indische Verfassung erkennt neben den Amtssprachen Hindi und Englisch, auch folgenden Sprachen an, wie Asamiya, Bengalisch, Bodo, Dogri, Gujarati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Maithili, Malayalam, Marathi, Meitei, Nepali, Oriya, Panjabi und viele mehr.

Neben den anerkannten Verfassungssprachen ist auch das Hindustani, Vogänger des heutigen Hindi und Urdu, oder regionale Dialekte wie Rajasthani und Bihari im Norden Indiens noch weit verbreitet. Es wird zudem vermutet, dass bis heute Sprachen in Indien von einigen indigenen Teilen der Bevölkerung gesprochen werden, die bis heute nie aufgezeichnet oder untersucht worden sind. Deshalb ist es bisher kaum möglich die genaue Anzahl von Sprachen in Indien zu ermitteln.

Die meisten der Sprachen verwenden unterschiedliche Schriftsysteme. Hindi, Nepali, Marathi und Sanskrit bedienen sich beispielsweise der Devanagari-Schrift. Malayalam, Telugu, Punjabi, Gujarati und Tamil haben dagegen alle ein ganz eigenes Skript. Im Urdu wiederum benutzt man eine abgewandelte Form der arabischen Schrift, ähnlich wie im Kashmiri oder Sindhi. Diese können z. T. aber auch das Devanagari-System nutzen.

Literatur
Auch die Literatur Indiens gehört zu den ältesten dieser Welt. Allerdings lässt sich nicht, wie im Kontext von Kultur allgemein, von einer „indischen Literatur“ bzw. einer „indischen Kultur“ sprechen. Vielmehr handelt es sich um eine Vielzahl von Literaturen in den unterschiedlichsten alten und modernen Sprachen. Die ersten literarischen Werke Indiens wurden in Sprachen Sanskrit, Pali und Tamilisch verfasst. Zu den bekanntesten Sanskrit Texten gehören in erster Linie die vedischen Schriften, die zwischen 1.300 – 500 v. Chr. geschrieben worden sind. Darüber hinaus sind vor allem die beiden epischen Erzählungen des Ramayana und des Mahabharata herausragende Beispiele für eine uralte literarische Tradition, die sich bis heute erhalten hat. Mit dem Aufkommen des Buddhismus auf dem Subkontinent, entwickelte sich Pali zur bedeutensden Literatursprache und prägte unter anderem Schriften im Theravada-Buddhismus.

In Südindien wurde dagegen Tamilisch zur ersten Sprache mit einer eigenen Literatur. Die ersten Schriften entstanden vor ungefähr 2.000 Jahren. Erst später kamen Malayalam, Telugu und Kannada als literarische Schriftsprachen Südindiens hinzu. Auch der Islam und arabisch-persische Einflüsse prägten die Literatur Indiens ab dem 12. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit bildeten sich immer neue Regionalsprachen heraus, die ihre jeweils eigenen Literaturtraditionen entwickelten. Ein besonders hervorstechendes Beispiel bietet die Urdu-Dichtung der Mogul-Herrscher, die im 17. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wächst der Einfluss westlicher Literatur kontinuierlich. Vor allem die bengalische Literatur erlebte in diesem Kontext einen bemerkenswerten Aufschwung. Ihr bekanntester Vertreter, Rabindranath Thakur, ist bis heute der einzige indische Schriftsteller, der den Nobelpreis für Literatur 1913 erhielt. Er wird sowohl in Indien, als auch in Bangladesh als Nationalheld verehrt und zwei seiner frühen Gedichte sind heute die Nationalhymnen der beiden Länder.

Die zeitgenössische Literatur erstreckt sich über alle großen Regionalsprachen und setzt sich mit einer breiten Palette von Themen auseinander. Zu den aktuell bekanntesten Autoren und Autorinnen gehören: Rohinton Mistry, R. K. Narayan, Mulk Raj Anand, Dom Moraes, Ruskin Bond, Salman Rushdie, Arundhati Roy, Vikram Seth, Amitav Ghosh, und Anita Desai.

Musik, Tanz & Theater
Klassische indische Musik teilt sich in zwei Stilrichtungen auf: in hindustanische und karnatische Musik. Erstere ist vor allem in Nordindien sehr verbreitet und durch persisch-arabische Einflüsse geprägt. Südindien erfreut sich dagegen die karnatische Musik großer Beliebtheit. Im Gegensatz zu der klassischen indischen Musik, kombiniert die moderne indische Popmusik wiederum viele Elemente westlicher, volkstümlicher und klassischer Musik miteinander und begeistert heute ein Publikum, dass weit über die Grenzen Indiens hinaus ragt.

Die zahlreichen Kinofilme, die jedes Jahr produziert werden, tragen dabei einen sehr wichtigen Teil zur Verbreitung dieser besonderen Musik bei. Auch Tänze spielen im kulturellen Leben der Inder bis heute eine sehr wichtige Rolle. Sie sind manchmal Ausdruck eines Gebetes oder sollen mythologische Themen darstellen. Selbst die kleinsten Gesichtsausdrücke oder Bewegungen können dabei eine symbolische Bedeutung verkörpern.

Neben den religiös oder mythologisch motivierten, existiert eine unglaubliche Vielzahl unterschiedlichster volkstümlicher Tänze überall in Indien. Sie werden meist zu speziellen Anlässen, wie Hochzeiten, Erntedankfesten oder zu bestimmten Jahreszeiten aufgeführt. Die klassische und moderne Musik, gemeinsam mit Literatur und Tanz, prägten maßgeblich die Entwicklung diverser Theaterformen und Filme in Indien.

Film
Filme sind heute ein fester Bestandteil der modernen Alltagskultur und reflektiert die kulturelle Vielfalt Indiens. Mit mehr als 1.000 Produktionen im Jahr ist die indische Filmindustrie zur größten weltweit angewachsen. Berühmtheiten wie Shahrukh Kahn, Aamir Khan, Amitabh Bachchan oder Rani Mukerji sind heutzutage sogar weit über die Grenzen Indiens hinaus bekannt und haben weit mehr Fans als mancher Hollywood-Star. Selbst in Europa und Nordamerika erfreut man sich eines stetig wachsenden Publikums. Nicht zuletzt durch kooperative Projekte wie „Slumdog Millionaire“.

Besonders charakteristisch für indische Filme sind häufig Überlänge, sowie viele Tanz- und Musikeinlagen. Oft ist die Filmmusik Wochen vor der eigentlichen Filmpremiere erhältlich, sodass später im Kino auch mitgetanzt und gesungen werden kann. Indische Filme zeichnen sich heute darüber hinaus durch besonders gutes Autorenkino aus, dem mittlerweile weltweit viel Anerkennung geschenkt wird.

Den größten Teil der Produktionen bringt insgesamt der Hindi-Film hervor, der auch unter dem Titel „Bollywood“ bekannt ist und in Mumbai produziert wird. Daneben erreichen auch das tamilische, bengalische, Kannada-, Malayalam- und Telugu-Kino ein Massenpublikum in der ganzen Welt.

Essen & Trinken
Über Indiens Küche lassen sich zahllose Bücher schreiben und wurden bereits geschrieben. Soviel sei gesagt, Besucher erwartet ein kulinarisches Schlaraffenland. In den zahlreichen regionalen Küchen des Landes findet jeder etwas für sich. Gegessen wird traditionell mit der rechten Hand, gemeinsam auf dem Boden, im Schneidersitz sitzend. Dabei kommen vor allem Vegetarier voll auf ihre Kosten!

Meditation vor GipfelpanoramaReligionen

Die Mehrheit der Bevölkerung in Indien machen mit mehr als 80% die Hindus aus. Die zweitgrößte Gruppe stellen die Muslime mit 13,4% der Bevölkerung, gefolgt von der christlichen Gemeinde mit 2,3%. Dem Sikhismus werden etwa 1,9% , Buddhismus 0,8% und Jainismus 0,4% zugerechnet. Eine Vielzahl regional sehr unterschiedlicher Religionsformen werden unter „Andere“ zusammengefasst und machen ungefähr 0,6% der Bevölkerung aus.

Hinduismus
Hinduistische Religionsformen haben ihren Ursprung in der vedischen Zeit in Indien und speziell in den sogenannten Veden. Diese große Vielzahl unterschiedlichster Glaubensformen unter dem Begriff „Hinduismus“ zusammenzufassen, geschah erst ab dem 19. Jh. Vorher wurde meist nur die Bezeichnung „Hindu“ gebraucht, die in erster Linie die nicht-muslimische und nicht-christliche Glaubensformen bezeichnete. Aufgrund dieser Vielfalt existiert im Hinduismus weder ein einheitlicher Religionsstifter oder ein gemeinsames Glaubensbekenntnis, noch gibt es eine zentrale religiöse Institution. Als Hauptströmungen werden heute der Shivaismus, der Vishnuismus und der Shaktismus angesehen.

Islam
Der Islam kam erst mit der Eroberung ab dem 12. Jh. nach Indien. Die Mehrheit der Muslime gehört der sunnitischen Glaubensrichtung an, aber es leben auch mehr als 20 Millionen Schiiten in Indien. Damit hat das Land, nach dem Iran, die zweitgrößte Anzahl von Schiiten und die drittgrößte muslimische Bevölkerung weltweit.

Christentum
Zunächst brachten Missionare und später die europäischen Kolonialherrscher das Christentum nach Indien. Die christliche Gemeinschaft macht heute in Indien nur einen sehr geringen Anteil der Bevölkerung aus und sind vor allem noch in den Küstenregionen Goas und Keralas, sowie den großen Metropolen anzutreffen.

Sikhismus
Der Sikhismus ist besonders in den nordwestlichen Regionen Indiens, im Punjab sehr verbreitet. Obwohl seine Anhänger nur ein kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen, genießen Sikhs sehr hohes Ansehen in Politik und Gesellschaft. Dies ist vor allem auf ihre militärischen Erfolge und politischen Einfluss zurückzuführen. So gehört beispielsweise der aktuelle Premierminister Indiens, Manmohan Singh, dem Sikhismus an.

Buddhismus
Wie auch Hinduismus und Sikhismus hat der Buddhismus seinen Ursprung in Indien. Über lange Zeit gab es nur vereinzelt kleine Gruppen in der Himalaya Region, in Ladakh, Sikkim und Arunchal Pradesh. Hinzu kommt die tibetische Exilgemeinschaft, mit ihrem Hauptsitz in Dharamsala. Seit einigen Jahrzehnten erfreut sich der Buddhismus an steigenden Anhängerzahlen in ganz Indien. Besonders Populär ist der Buddhismus im Bundesstaat Maharashtra.

Jainismus
Zuletzt hat auch der Jainismus seine Wurzeln in Indien und entwickelte sich parallel zum Buddhismus. Heute leben die meisten der insgesamt ca. 4,4 Millionen Jainisten in großen Städten in Indien und gehören der Mittel- oder Oberschicht an.

Andere Religionen
Unter „Andere“ ist eine Vielzahl von regional unterschiedlichsten Religionsformen zusammengefasst. Dazu gehören beispielsweise die Gruppe der Parsen, einige kleine jüdische Gemeinden oder die unüberschaubar vielfältigen Glaubensformen der indigenen Bevölkerung in den ländlichen Gebieten Indiens (Adivasis – Ureinwohner).

Prächtige Farben beim HolyfestFeste & Feiertage

Aufgrund der kulturellen und religiösen Vielfalt und der bewegten Geschichte des Landes, gibt es in Indien eine Vielzahl von nationalen und religiösen Festen und Feiertagen. Besonders groß werden der Tag der Republik am 26. Januar und der Tag der Unabhängigkeit am 15. August gefeiert. Zum Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes 1947 und des Inkrafttretens der Verfassung 1950 gibt es prunkvolle Paraden in Delhi. Der Geburtstag des Nationalhelden Mohandas K. „Mahatma“ Gandhi am 2. Oktober, der 1. Mai als Tag der Arbeit und einige religiöse Feste sind nationale Feiertage. Zu den wichtigsten hinduistischen Festen gehören Diwali und Dasahra im Herbst und die Frühlingsfeste Holi und Vasant Panchami. Das genaue Datum dieser Feste wird von Jahr zu Jahr neu bestimmt und ist daher nicht genau im gregorianischen Kalender zu datieren. Muslime feiern das Opferfest Id al-Adha zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Bei Buddhisten, Sikhs und Jains haben besonders die Geburtstage der jeweiligen Glaubensstifter einen hohen Stellenwert. Christen feiern vor allem Ostern und Weihnachten.

Daneben gibt es eine Vielzahl von regional spezifischen Festen zu bestimmten Jahreszeiten oder Anlässen wie Hochzeiten und Erntedankfeierlichkeiten. Deshalb gibt es sowohl einen Kalender mit allen Nationalfeiertagen und zusätzlich einen extra Kalender für jeden Bundesstaat, in dem regional spezifische Feiertage aufgeführt sind.

Auf einer Reise nach Indien könnten Sie unter anderem an den buddhistischen Feierlichkeiten im Kloster Hemis in Ladakh teilhaben, das jedes Jahr Anfang Juli gefeiert wird und besonders für die ausgefallenen Maskentänze berühmt ist. Aber auch ein Besuch des größten und farbenfrohsten Fest Rajasthans, der Pushkar Mela, bietet Ihnen jedes Jahr am Ende der Regenzeit ein einmaliges und garantiert unvergessliches Erlebnis. Zum Hornbillfestival in Nagaland versammeln sich jedes Jahr, in der ersten Dezemberwoche zahlreiche Mitglieder der verschiedenen Clans der indigenen Bevölkerung der Region. Die sogenannten Naga laden Besucher ein ihre vielfältige Kultur und Lebensweise in fast unberührter Natur besser kennen und verstehen zu lernen.

Januar

1. Januar: Neujahr
12. Januar: Guru Gobind Singh’s Geburtstag (Amritsar, Delhi, Patna, Nander)
14. Januar: Pongal-Sankranti (Tamil Nadu, Karnataka, Andhra Pradesh, bes. Madurai, Madras, Tiruchirapalli)
26. Januar: Tag der Republik (Parade, Volkstanz in Delhi)

Januar/Februar
Vasanta Panchami: Fest zu Ehren der Göttin Saraswat i(Punjab, in Delhi und West-Bengalen).
Floating Fest (Madurai, Cochin)
Desert Festival (Jaisalmer) – Karneval in Goa

Februar/März
Tanzfestival in Khajuraho
Holi Festival
Mahashivaratri (meist Anfang März, manchmal auch im Februar): Fest zu Ehren des Gottes Shiva

März/April
Ostern (Goa, Cochin, Südindien).
Gangaur Festival (in Rajasthan, Udaipur, Jaipur und Jodhpur): Fest zu Ehren der Göttin Parvati
Ramanavami

April/Mai
Meenakshi Kalyanam: Vermählung Meenakshis mit Shiva (Madurai)
Buddha Purnima (Sarnath, Dharamsala, Bodh Gaya)
Vaisakhi (Punjab, Haryana, Delhi, Calcutta)

Mai
1. Mai: Tag der Arbeit/Labour Day
8. Mai: Geburtstag Tagores in Calcutta und anderen Großstädten.
2. Mai: Pooram (Trichur)

Juni/Juli
Rath Yathra: Tempelwagenprozession (Puri/Orissa)
Sommerfest (in Mt. Abu und Sirohi, meist Anfang Juni)
Id-uh-Fitr: ein muslimisches Freudenfest zum Ende des Fastenmonats Ramazan/Ramadan
Hemis Fest (in Leh/Ladakh)

August
Janamashtami: Krishnas Geburtstag (ganz Indien)
15. August: Tag der Unabhängigkeit
Teej (in Rajasthan und Uttar Pradesh)
Naag Panchami (Jodhpur, Delhi, Maharashtra)
Raksha Bandhan (in Nord- und Westindien)
Amarnath Yatra (Kashmir)

September/Oktober
Onam-Erntefest: Schlangenbootwettfahrten in den Lagunen Keralas
Dussehra (ganz Indien)
Ganesh Chaturthi (Bombay, Maharashtra)
Id-ul-Zuha (Delhi, Lucknow, Kalkutta, Ajmer, Kashmir): Moslem-Fest zum Gedenken an Abraham
2. Oktober: Geburtstag von M. Gandhi

Oktober/November
Diwali (ganz Indien)
Muharram: Moslem-Fest zu Ehren des Märtyrers Imam Hussain (Lucknow, Delhi, Bombay, Kashmir)

November/Dezember
1. Dezember: Geburtstag des Sikh-Gurus Nanak (Punjab und in Delhi)
Pushkar (Ajmer mit Kamelwettrennen und Reiterspielen)
Ende November: Bikaner Fest: ein Wüstenfestival
24.- 26. Dezember: Weihnachten
Winterfestival (Mount Abu)

Kalender & Zeitrechnung
Neben der offiziell christlichen, ist auch die Zeitrechnung des Vikram Samwat, mit V.S. oder B.S. abgekürzt, weit verbreitet. Dieses Zeitrechnung beginnt im 57. Jahr vor unserer Zeit, als der sagenumwobene König Wikramaditja von Udschain den Einfall von Feinden im Nordwesten Indiens erfolgreich abwehrte. Im April 2013 christlicher Zeitrechnung hat somit das Jahr 2070 in der Zeitrechnung des Vikram Samwat begonnen.

Der Kalender der Vikram Samwat Zeitrechnung ist sowohl ein Mondkalender als auch ein Sonnenkalender zugleich. Die Monate orientieren sich am Mond, während die Jahresrechnung der Sonne folgt. Die insgesamt 12 Mondmonate sind jeweils in eine „dunkle“ Hälfte und eine „helle“ von je 15 Tagen unterteilt. Die „dunkle Hälfte“ bezeichnet die Zeit des abnehmenden Mondes: Sie beginnt am Tag nach Vollmond und endet mit dem Neumond. Die „helle Hälfte“ meint folglich die Zeit des zunehmenden Mondes: sie beginnt am Tag nach Neumond und endet mit dem Vollmond. Der Mondmonat beginnt immer am ersten Tag nach Vollmond, also mit der „dunklen Hälfte“.

Jeweils 2 Mondmonate bilden eine der insgesamt 6 Jahreszeiten dieses Kalenders. Das Jahr beginnt mit dem Frühling in den Monaten Caitra und Vishakha, die in etwa März/April und April/Mai in unserer Zeitrechnung entsprechen. Danach folgen 2 Monate trocken heißer Sommer und ab August ungefähr beginnt der Regensommer. Der Herbst beginnt Ende September und dauert bis in den November. Anschließend folgen zwei Monate Frühwinter und 2 Monate Spätwinter, bevor mit dem Frühling ein neues Jahr beginnt. Da aber ein lunarer Monat etwas kürzer ist als ein solarer Monat, muss der Unterschied zwischen beiden von Zeit zu Zeit angeglichen werden. Deshalb wird ab und an ein Schaltmonat eingefügt, oder auch ein ganzer lunarer Monat ausgelassen.

Ein freundliches LächelnEthnien

Indoarier
Die Ethnie der Indoarier leitet ihre Herkunft aus den, zunächst mündlich überlieferten und später schriftlich fixierten, vedischen Texten ab. In diesen Texten ist die Rede von einem Hirtenvolk, dass zum Ende der Industal-Zivilisation um 1.500 v. Chr. aus Persien auf den indischen Subkontinent wanderte. Dieses Hirtenvolk wird sowohl in Sanskrit, als auch im Persischen „Arya“ genannt. Heute gehören ungefähr 70% der indischen Bevölkerung zu der indoarischen Ethnie, deren Zusammengehörigkeit sich vor allem durch die gemeinsame indoarische Sprachfamilie ausdrückt. Dazu gehören beispielsweise Sprachen, wie Sanskrit, Hindi oder Marathi. Diese Sprachen dominieren besonders in den nördlichen Regionen in Indien.

Draviden
Die Ethnie der Draviden ist jene Urbevölkerung Südindiens, auf die das Hirtenvolk der Indoarier bei ihrer Wanderung über den Subkontinent traf. Bei ihren heutigen Nachkommen ist es ähnlich wie bei der Gruppe der Indoarier. Zur Ethnie der Draviden gehört, wer eine der dravidischen Sprachen spricht wie zum Beispiel Malayalam, Telugu und Tamilisch. Insgesamt werden aktuell etwa 25% der indischen Bevölkerung zur Ethnie der Draviden gerechnet, die in den meisten Teile Südindiens dominieren.

Exiltibeter
Bei dieser Gruppe handelt es sich um Tibeter die seit 1959 Jahr für Jahr aus ihrer chinesisch besetzten Heimat flüchten. Der damalige Premierminister Indiens, Jawaharlal Nehru gewährte den Flüchtlingen offiziell Asyl und so leben heute mehr als 100.000 Tibeter im Exil in Indien. Die Stadt Dharamsala im Bundesstaat Himachal Pradesh beheimatet derzeit die größte tibetische Exilgemeinde und wird umgangssprachlich sogar als „Little Lhasa“ („kleines Lhasa“) bezeichnet. Dort haben auch der aktuelle Dalai Lama und die tibetische Exilregierung ihren Sitz.

Mongolen
Zur Ethnie der Mongolen werden meist tibeto-birmanisch oder Mon-Khmer-sprachige Gruppen gezählt. Diese Leben zum größten Teil in der Himalaya Region, in den nördlichen und nordöstlichen Bundesstaaten Indiens. Beispielsweise in Assam, Arunchal Pradesh, Ladakh oder in kleinen Gruppen auch in den größeren Städten des Landes. Man vermutet, dass es sich bei dieser Ethnie um die Nachfahren zentralasiatischer Völker handelt, die in mehreren Wellen im Zeitraum von Jahrtausenden über das Himalaya auf den indischen Subkontinent wanderten. Sie machen heute allerdings nur einen sehr geringen Anteil von weniger als 5% der indischen Bevölkerung aus.

Ladakhis
Als Ladakhis bezeichnet man einen Teil der Bewohner, die in der Hochgebirgsregion Ladakh, im heutigen indischen Bundesstaat Jammu & Kashmir leben. Sie sprechen Ladakhi, welches als ein Vorgänger des Tibetischen gilt und in der viele alte Formen erhalten geblieben sind. Leh, Shamma und Nubra sind die gebräuchlichsten und bekanntesten Dialekte in der Alltagssprache der Menschen, aber es existieren weitaus mehr. Heute schätzt man die Zahl der Ladakhis-Sprechenden in Indien auf 100.000 und in Tibet auf etwa 12.000. Darüber hinaus gehört ein Großteil der Ladakhis Formen dem tibetischen Buddhismus an, die sich in der abgelegenen Hochgebirgsregion lange erhalten haben.

Assamesen
Als Assamesen werden jene Menschen bezeichnet, die entweder im heutigen Bundesstaat Assam, im Nordosten Indiens leben oder Assamesisch sprechen. Die assamesische Sprache gehört zur indoarischen bzw. indoeuropäischen Sprachfamilie und wird aktuell von etwa 15 Millionen Muttersprachlern gesprochen. Die Gruppe der Assamesen selbst ist äußerst vielfältig und setzt sich aus einer Vielzahl multilinguistischer, multireligiöser und multikultureller Subgruppierungen zusammen. Deshalb ist es bis heute sehr umstritten, wer genau dazugehört und wer nicht.

Saftig grüne Berghänge im Nordosten IndiensBundesstaaten

Indien ist ein föderaler Staat und deshalb auch in 28 Bundesstaaten und sieben Unionsterritorien, inklusive der Hauptstadt Delhi, gegliedert. Die Bundesstaaten und Unionsterritorien sind darüber hinaus in mehr als 600 Distrikte unterteilt, die zum Teil unter Divisionen zusammengefasst werden. Die sieben Unionsterritorien werden von der Regierung auf Bundesebene von Delhi aus regiert. In den 28 Bundesstaaten gibt es dagegen jeweils eigenständige Parlamente und Regierungen.

Im Zuge der Unabhängigkeit Indiens wurde bis 1956 der indische Staat föderal strukturiert. Als Grundlage für die Grenzziehung zwischen den einzelnen Verwaltungseinheiten wurden die jeweiligen Muttersprachen der Menschen in den Regionen herangezogen. 1960 wurde der Staat Bombay an Indiens Westküste in die Bundesstaaten Gujarat und Maharashtra aufgeteilt. Erst im Jahr 2000 entstanden drei neue Bundesstaaten: Uttarakhand (bis 2006 noch Uttaranchal) aus dem nordwestlichen Teil von Uttar Pradesh, Jharkhand aus dem südlichen Teil von Bihar. Die östlichen Gebiete in Madhya Pradesh wurden zum neuen Bundesstaat Chhattisgarh.

Die bevölkerungsreichsten Bundesstaaten sind Kerala, Bihar und Westbengalen, dicht gefolgt von Uttar Pradesh, Tamil Nadu und dem Punjab. Dünn besiedelt sind dagegen die Bundesstaaten ganz im Norden oder in Zentralindien. Am dünnsten bevölkert ist der Bundesstaat Arunachal Pradesh im Nordosten des Landes, noch vor Jammu & Kashmir, Himachal Pradesh oder Sikkim.

Prunkvolle Anlage in Uttar PradeshStädte

In Indiens Städten schlägt der Puls der Zeit. Es gibt mehr als 45 Städte in Indien, in denen mehr als eine Million Menschen leben. Sie vermitteln einen Eindruck davon, wie sich das ganze Land in Zukunft verändern könnte. Als Besucher kann man tief in kulturelle, religiöse und soziale Welt des indischen Alltags eintauchen. Zugleich erlebt man den rasanten Wandel, der mittlerweile das ganze Land erfasst hat. Ein Aufenthalt in Indiens Städten lohnt darüber hinaus wegen der weit zurückreichenden und bewegten Geschichte des Subkontinents. Bis heute lassen sich Spuren der alten Industal-Zivilisation, der Mogul- und europäischen Kolonialherrschaft entdecken und auf den Pfaden Mahatmas Gandhis wandeln.

Delhi
Delhi ist die Hauptstadt Indiens liegt am Fluss Yamuna, im Norden des Landes und besteht eigentlich aus zwei Städten. Das alte Delhi war bis 1857 die Hauptstadt und Regierungssitz des Mogulreiches in Indien. Als die Briten ihren Regierungssitz Anfang des 20. Jahrhunderts von Kolkata nach Delhi verlagerten, entstand um die Altstadt herum das, was heute als Neu-Delhi bekannt ist. Nach der Volkszählung von 2011 leben in der Stadt ca. 11 Millionen Menschen und 16 Millionen, wenn man die umliegenden Vorstädten innerhalb des Unionsterritoriums Delhi mit berücksichtigt. Damit ist Indien nach Mumbai (Bombay), die zweit bevölkerungsreichste Stadt Indiens. Schon die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt aus Mogul- und Kolonialzeit machen einen Aufenthalt lohnenswert.

Mumbai (Bombay)
Die Stadt Mumbai, die noch bis 1996 Bombay hieß, liegt an der Westküste Indiens und ist heute die Hauptstadt des Bundesstaates Maharashtra. Die Stadt ist vor allem durch ihre koloniale Geschichte geprägt und entwickelte sich seitdem zur bedeutendsten Hafenstadt des Landes. Ohne die Vororte der Stadt einzubeziehen, leben in Mumbai aktuell etwa 12,5 Millionen Menschen. Berücksichtigt man jedoch auch die umliegenden Vororte, so sind es sogar mehr als 18 Millionen Einwohner und ist Mumbai nicht nur die größte Stadt Indiens, sondern eine der größten Städte weltweit. In der Architektur der Kolonialgebäude zeigen sich britische Interpretation des Mogul-Stils, die besonders das auf einer Halbinsel gelegene Zentrum der Stadt sehenswert machen.

Kolkata (Kalkutta)
Kolkata(Calcutta) liegt im Gangesdelta an der Küste im Golf von Bengalen und ist Hauptstadt von Westbengalen. Ende des 17. Jhd. gründete die Britische Ostindien-Kompanie die Stadt eigentlich als Stützpunkt für ihr koloniales Projekt in Indien. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Stützpunkt zur blühenden Metropole und Zentrale der Macht für das britische Imperium. Bis 1911 war Kolkata die Hauptstadt Britisch-Indien und ist bis heute dadurch geprägt. Aktuell ist sie mit etwa 4,5 Millionen Einwohnern die siebt-größte Stadt Indiens und bietet Besuchern eine Vielzahl atemberaubender Sehenswürdigkeiten aus der Kolonialzeit.

Agra
Die umwerfend schönste Sehenswürdigkeit Indiens gibt es zweifelsohne in der Stadt Agra, einige hundert Kilometer südlich von Delhi zu sehen. Am Ufer des Flusses Yamuna gelegen, wirkt das weltberühmte Taj Mahal wirklich märchenhaft und sagenumwoben. Großmogul Shah Jahan ließ das wohl bekannteste Mausoleum der Welt zum Gedenken an seine 1631 verstorbene Frau, Mumtaz Mahal, und als Ausdruck seiner Liebe zu ihr errichten. Agra ist für indische Verhältnisse eine relativ kleine Stadt mit 1,6 Millionen Einwohnern. Aber es lassen sich neben dem Taj Mahal auch noch viele weitere Sehenswürdigkeiten aus der Mogulzeit besichtigen. Dazu gehört auch die nahegelegene ehemalige Hauptstadt der Großmoguln Fatehpur Sikri, mit seinen architektonisch ausgefallenen und äußerst prachtvollen Palastanlagen und -gebäuden.

Jaipur
Jaipur ist die Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthan und mit rund 3 Millionen Einwohnern die zehntgrößte Stadt Indiens. 300 Kilometer südwestlich von Delhi und 200 Kilometer westlich von Agra gelegen, bilden diese drei Städte das sogenannte „Goldene Dreieck“ des Landes. In den letzten Jahren entwickelt sich Jaipur zu einer Industriemetropole (hier gehts zur Wirtschaft Indiens), bleibt aber zugleich auch ein kulturelles Zentrum Indiens. Besonders die Altstadt, die wegen der zahlreichen rosafarbenen Gebäude auch „Pink City“ genannt wird, versetzt jeden Besucher ins Staunen.

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Schneebedeckte Gipfel des KangchenjungaKlima

Das Klima in Indien ist sehr unterschiedlich, von der dürren Wüste von Rajasthan (Jaipur und Jodhpur) bis zum kühlen Hochland von Assam, dem angeblich feuchtesten Ort auf der Erde. Außerhalb der Gebirgsregionen dominiert im nördlichen und zentralen Indien subtropisches Kontinentalklima, in den Küstenregionen und im Süden herrscht dagegen maritimes, tropisches Klima. Im Norden schwanken die Temperaturen im Jahresverlauf erheblich: in den Tiefebenen des Nordens liegen die Temperaturen im Dezember und Januar zwischen 10 und 15 °C, zwischen April und Juni dagegen zwischen 40 und 50 °C. In südlichen Regionen ist es im ganzen Jahr konstant heiß.

Vereinfacht gesagt kann das Klima durch drei Jahreszeiten definiert werden – die heiße Saison, die nasse Saison (Monsun) und die kühle, von denen die Dauer von Norden nach Süden variiert. Die angenehmste Zeit für einen Besuch in den meisten Orten ist die kühlere Zeit: November bis etwa Mitte Februar. In den nördlichen Tiefebenen beginnen die Temperaturen ab Februar zu steigen, im April und Mai ist es heiß, der Höhepunkt liegt im Juni.

In Zentral-Indien sind Temperaturen von 45°C und mehr nicht ungewöhnlich. Südindien wird während dieser Zeit unangenehm heiß. Ende Mai kommt es in einigen Regionen zu ersten Anzeichen des Monsuns – hohe Luftfeuchtigkeit, Gewitter, kurze Regenfälle und Staubstürme, die den Tag verdunkeln. In der heißen Jahreszeit sollte man die Ebenen verlassen und die kühleren Hügeln besuchen, wo jetzt die Hillstations besonders angenehm (und belebt) sind.

Monsun
Der Indische Monsun bestimmt die saisonalen Niederschlagsmengen in ganz Indien. Der Südwest- (oder Sommer-)monsun beginnt in den meisten Regionen im Juni, je nach Region fallen bis September oder Oktober starke Niederschläge. Durch die sehr unterschiedliche Topographie ist die Verteilung der Niederschläge sehr ungleichmäßig, die höchsten Werte werden an der Westküste, in den Westghats, an den Himalayahängen sowie in Nordostindien erreicht. Die wenigsten Niederschläge fallen in der Wüste Thar. Die aus Zentralasien wehenden Nordost- oder Wintermonsunwinde gewinnen von Oktober bis Juni an Einfluss, bringen aber kaum Regen. In den meisten Regionen fallen daher 80 bis mehr als 90 % der gesamten Niederschläge im Sommer. Eine Ausnahme bildet der Südosten (insbesondere Chennai) Indiens, wo es auch während des Nordostmonsuns regnet, da der Monsun über dem Golf von Bengalen Feuchtigkeit aufnehmen kann. Das Klima spielt eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung, wann Indien besucht werden sollte. Denken Sie daran, dass die klimatischen Bedingungen im Norden deutlich anders sind als im äußersten Süden.

Wenn der Monsun beginnt, fällt stetiger Regen, in der Regel ab etwa Anfang Juni im äußersten Süden, bis Anfang Juli hat der Monsun auch den Norden erreicht. Der Hauptmonsun kommt aus südwestlicher Richtung, die Südostküste (und das südliche Kerala), ist allerdings durch den kurzen und feuchten Nordostmonsun beeinflusst, der von Oktober bis Anfang Dezember Regen bringt.Die Temperaturen fallen im Monsun kaum: das heiße, trockene und staubige Wetter wird nur durch heiße, feuchte und schlammige Bedingungen ersetzt. Es fällt normalerweise jeden Tag Regen, aber nicht am ganzen Tag. Im Zusammenspiel mit Sonnenschein ergibt dies fast eine Dampfbadatmosphäre.Um den Oktober endet für die meisten Regionen des Landes der Monsun. Dies ist die Haupttourismussaison für Indien – für einen Besuch in Ladakh ist es dann aber zu spät, Mai bis Oktober ist hier die optimale Zeit. Im Oktober und November ist es im Allgemeinen nicht zu heiß und nicht zu kühl (obwohl es in einigen Regionen im Oktober noch sehr heiß und/oder feucht sein kann). Im Winter (etwa ab Mitte Dezember bis Mitte Januar), kann es in Delhi und anderen nördlichen Städten überraschend kalt sein, vor allem bei Nacht – im äußersten Norden sogar sehr kalt. Im Süden sind die Temperaturen in diesem Zeitraum angenehm.

Beste Reisezeit
Die angenehmste Zeit für einen Besuch in den meisten Orten ist die kühlere Zeit: November bis etwa Mitte Februar.

 

StraßenszeneWirtschaft & Politik

Politik und Gesellschaft
Gemäß der Verfassung von 1950 ist Indien eine parlamentarische Demokratie. Indien ist, nach der Zahl der Bürger, die größte Demokratie der Erde. Das indische Parlament ist die gesetzgebende Gewalt und besteht aus zwei Kammern: dem Unterhaus (Lok Sabha) und dem Oberhaus (Rajya Sabha). Das Unterhaus wird auf fünf Jahre nach dem Prinzip des Mehrheitswahlrechtes gewählt. Wahlberechtigt ist jeder Staatsbürger, der das 18. Lebensjahr vollendet hat. Das Oberhaus ist die Vertretung der Bundesstaaten auf nationaler Ebene. Seine Mitglieder werden von den Parlamenten der Staaten gewählt.

Die Parteienlandschaft des Landes ist äußerst vielfältig. Viele Parteien sind zwar auf bestimmte Bundesstaaten beschränkt, dennoch ergibt sich immer wieder die Notwendigkeit, Koalitionen zu bilden. Die „National Democratic Alliance“ (NDA) war eine Koalition, die zu Beginn ihrer Regierungszeit 1998 aus 13 Parteien bestand (unter Führung der BJP). Der Regierungschef in den 28 Bundesstaaten sowie in zwei von sieben Unionsterritorien ist der Chief Minister, der vom Parlament des jeweiligen Gebiets gewählt wird.

Wirtschaft
Indien ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die seit 1991 zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Seither hat sich das Wirtschaftswachstum deutlich beschleunigt. 2004 stieg der Wert der gesamtwirtschaftlichen Produktion nach Angaben der Weltbank auf 691 Mrd. US-Dollar. Damit ist Indien in den Kreis der zehn größten Volkswirtschaften der Welt vorgestoßen. Die Leistungsfähigkeit der indischen Wirtschaft hat nach Einschätzung vieler Beobachter in einigen Branchen (Informationstechnologie, Pharmazie) inzwischen internationales Spitzenniveau erreicht. Behindert wird das Wachstum der Produktion der indischen Wirtschaft insbesondere durch Mängel der vielfach veralteten Infrastruktur, vor allem durch Engpässe bei der Energieversorgung (Stromversorgung und Währung in Indien) wie den häufigen Stromausfällen. Trotz der 1991 begonnenen Liberalisierung der Wirtschaft leiden vor allem die Industrie und der Bankensektor nach wie vor unter häufigen staatlichen Eingriffen und den langsamen politischen Entscheidungsprozessen. Der Schutz ineffizienter Staatsunternehmen vor Wettbewerb bleibt ein Hemmschuh. Ein Belastungsfaktor ist auch die weitverbreitete Korruption. Zudem beeinträchtigen nach wie vor Arbeitsmarktregulierungen, die zum Beispiel Entlassungen von Arbeitskräften stark erschweren, das Investitionsklima. Ausländische Investoren werden so abgeschreckt.

Das Land profitiert zunehmend von den Vorteilen der internationalen Arbeitsteilung und der Globalisierung. Die indische Wirtschaft ist aber noch sehr stark binnenwirtschaftlich orientiert. Ihr Anteil am Welthandel liegt bei nur einem Prozent, obwohl Ein- und Ausfuhren in den letzten Jahren kräftig gewachsen sind. Die niedrigen Anteile der Aus- und Einfuhren am Bruttoinlandsprodukt signalisieren noch beträchtliches Wachstumspotenzial.